Gotthard – Felsen und Tunnel

Nach 17 Jahren Bauzeit ist es soweit: Der Gotthard-Basistunnel wird Anfang Juni 2016 offiziell eröffnet und im Dezember in Betrieb genommen. Damit hat die Schweiz im Gotthardmassiv ein weiteres Verkehrsprojekt der Superlative realisiert. Mit seinen 57 km ist der Gotthard-Basistunnel der längste Eisenbahntunnel der Welt. Das Bauwerk steht dabei in der Tradition älterer grosser Tunnelbauten durch den symbolträchtigen Gotthard:

  • 1882 wurde der 15 km lange Gotthard-Scheiteltunnel der Bahn und
  • 1980 der knapp 17 km lange Gotthard-Strassentunnel eröffnet.

Der traditionsreiche Auf- und Ausbau einer modernen Verkehrsinfrastruktur auf der Nord-Süd-Achse hat auch in den vielfältigen Beständen der ETH-Bibliothek seine Spuren hinterlassen. Sie reichen von Darstellungen der alten Gotthard-Passstrasse über Akten zum Bau der Gotthardbahn und Fotoreportagen zum Bau des Strassentunnels bis hin zu geologischen Profilen des Gotthardmassivs, Gesteins- und Mineralproben aus Tunnelbohrungen und zeitgenössischer wie moderner Fachliteratur über Verkehrsplanung, Tunnelbau, Geologie und Vermessungstechnik.

Aus Anlass der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels präsentieren wir hier eine Auswahl dieser umfangreichen Bestände, die ein Stück Verkehrs- und Technikgeschichte der Schweiz repräsentieren und von der ETH-Bibliothek zur Verfügung gestellt werden.

Gotthard in den Beständen der ETH-Bibliothek

SammlungArchiv
Hospiz auf dem St. Gotthard

Hospiz auf dem St. Gotthard
Graphische Sammlung Online (Link verlässt diese Seite)

Postkarte von Max Frisch an seine Mutter.

Postkarte von Max Frisch an seine Mutter
© Max Frisch-Archiv, Zürich

Geologische Übersichtskarte der Gotthardbahnstrecke

Geologische Übersichtskarte der Gotthardbahnstrecke
Karten auf ETH E-Pics Alte und Seltene Drucke (Link verlässt diese Seite)

Hölzener Tunnellehrbogen

Hölzener Tunnellehrbogen
Hochschularchiv der ETH Zürich und e-manuscripta (Link verlässt diese Seite)

Speisung der Arbeitslocomotive

Speisung der Arbeitslocomotive
Alte und Seltene Drucke auf e-rara.ch (Link verlässt diese Seite)

Gotthardtunnel, Nordportal

Gotthardtunnel, Nordportal
ETH E-Pics Bildarchiv (Link verlässt diese Seite)

Stein

Granat-Hornblende-Gneis mit Quarz-Disthen
ETH E-Pics Erdwissenschaftliche Sammlungen (Link verlässt diese Seite)

Gotthardbahn bei Giornico

Gotthardbahn bei Giornico
ETH E-Pics Kunstinventar (Link verlässt diese Seite)

"Ich fahre nach Norden, die Strecke, die ich auswendig kenne: zehn Stunden bis Como, wo ich sonst übernachte, aber dieses Mal fahre ich weiter ohne Pause. Sie weiß nicht, dass ich unterwegs bin zu ihr.

Ich fahre weiter: bis Airolo, Schweiz, wo es Nacht ist. Vollmond. Eine Fahrt über den Sankt Gotthard müsste jetzt schön sein. Kurz darauf komme ich in dichten Nebel; man muss sich anstrengen, um die Marksteine zu erkennen. Später regnet es. Ob nicht eine Übernachtung im Hospiz vernünftiger wäre, überlege ich, doch ich steige nicht aus. Ich fühle mich gar nicht müde, im Gegenteil.

Kurz nach dem Hospiz, als es talwärts geht, fällt der rechte Scheinwerfer aus. Ich stoppe nicht, sondern verlangsame nur die Fahrt. Zwanzig Stundenkilometer, mehr ist einfach nicht möglich, da ich nur noch den linken Scheinwerfer habe und die Marksteine auf der rechten Straßenseite erkennen muss, um zu erraten, wo es weitergeht. Es regnet in Strömen. Ich bin jetzt der einzige Fahrer auf der Strecke, keineswegs erschöpft oder auch nur schläfrig (so meine ich) nach vierzehn Stunden am Steuer allein. Als ich plötzlich einen weißen Markstein nicht zu meiner Rechten sehe, sondern links, weiß ich, dass ich die Straße verfehlt habe, und stoppe scharf. Der Wagen bleibt stehen, etwas vornüber geneigt. Ich steige nicht aus, um nachzusehen, wie der Wagen jetzt über dem Abhang steht; ich schalte auf Rückwärtsgang.Und es geht. Und ich fahre weiter. Sehr langsam. Hin und wieder stoppe ich, um die Scheibe zu wischen. Es bleibt neblig, auch als der Regen nachlässt.

In Andermatt ist kein Hotel mehr offen, so scheint es; Mitternacht vorbei. Also fahre ich weiter, nachdem ich endlich geprüft habe, was an Licht noch da ist: der Scheinwerfer links und die beiden kleinen schwachen Standlichter. Ich kann es nicht aufgeben. Ich habe nichts getrunken (1 Campari in Siena, 3 Espressi in Como, 1 Bier in Airolo) und finde mich wohlauf. Die Gegenfahrer protestieren gegen meinen Scheinwerfer; ich kann ihn aber nicht ausschalten und mich darauf verlassen, dass sie die beiden schwachen Standlichter erkennen. Hoffentlich trifft mich nicht die Polizei. Gegen drei Uhr komme ich nach Hause, Uetikon am See."

Aus: Frisch, Max. Montauk, in: Max Frisch. Romane, Erzählungen, Tagebücher (Link verlässt diese Seite). Suhrkamp Quarto. Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1. Auflage 2008.

Postkarte von Max Frisch an seine Mutter

© Max Frisch-Archiv, Zürich