Paul Bernays (1888–1977)

Professor für höhere Mathematik an der ETH Zürich

Paul Bernays wurde am 17. Oktober 1888 in London geboren. Er war Bürger der Stadt Zürich, entstammte aber einer deutsch-jüdischen Gelehrtenfamilie. Er wuchs in Berlin auf, wo er in den Jahren 1895 bis 1907 das Köllnische Gymnasium besuchte. Das Studium begann er 1907 an der Technischen Hochschule Charlottenburg, wechselte aber nach einem halben Jahr zur Berliner Universität. Dort und in Göttingen studierte er im Hauptfach Mathematik, daneben Philosophie und theoretische Physik.

Promovierung und Habilitierung

Im Frühjahr 1912 promovierte er bei Edmund Landau und am Ende des gleichen Jahres habilitierte er sich, veranlasst durch den damaligen Ordinarius Ernst Zermelo, an der Universität Zürich. Von Ende 1912 bis zum Frühjahr 1919 war er Privatdozent an der Universität Zürich.

Zusammenarbeit mit David Hilbert

Ab Herbst 1917 hielt er sich wieder in Göttingen auf, wo er als Mitarbeiter von David Hilbert in der mathematischen Grundlagenforschung tätig war. Im Jahr 1919 habilitierte er sich an der Universität Göttingen und von 1922 an war er nichtbeamteter ausserordentlicher Professor.

Zweiter Weltkrieg und Forschungen

Als Jude verlor er 1933 seine Stelle in Göttingen. Er kehrte in die Schweiz zurück, wo er als Lehrbeauftragter an der ETH Spezialvorlesungen über Logik und Grundlagen der Mathematik übernahm. Er habilitierte sich als Privatdozent an der ETH auf das Wintersemester 1939/40 hin. Erst 1945, aufgrund eines Antrages der Abteilung für Mathematik und Physik, ernannte man ihn zum ausserordentlichen Professor für höhere Mathematik. Von dieser Professur trat er 1959 zurück. Er starb am 18. September 1977 in Zürich nach kurzer Krankheit.

Bernays' Forschungen waren vor allem Grundlagenfragen der Mathematik gewidmet, er befasste sich aber auch mit philosophischen Themen. Zusammen mit David Hilbert verfasste er das bahnbrechende zweibändige Werk "Grundlagen der Mathematik", das 1934 bzw. 1939 erschien.

Handschrift

Bernays Handschrift

Schluss des Briefes von Paul Bernays an Hermann Weyl vom 16. Februar 1935. Darin bedankt sich Bernays für die sehr positive Aufnahme seines Buches "Grundlagen der Mathematik" und für die Einladung an das Institute for Advanced Study in Princeton (ETH-Bibliothek Zürich, Hs 91:11).

Bestand

In der ETH-Bibliothek ist Paul Bernays vor allem durch seinen umfangreichen handschriftlichen Nachlass (Link verlässt diese Seite) präsent. Dieser Bestand, der vom Hochschularchiv der ETH Zürich betreut wird, zählt zu den immer wieder mit Interesse und Gewinn konsultierten wissenschaftshistorischen Quellen und umfasst Manuskripte, Briefe und biographische Dokumente.

Im Hochschularchiv der ETH Zürich sind ferner die Unterlagen des Archivs des Schweizerischen Schulrates zur Tätigkeit Paul Bernays' an der ETH Zürich und ein biographisches Dossier mit weiteren biographischen Informationen aufbewahrt. Neben einem umfangreichen Porträt-Dossier befindet sich im Bildarchiv der ETH-Bibliothek die Tonbandaufzeichnung eines Interviews mit Paul Bernays, das im Sommer 1977 aufgenommen wurde.