Michel Plancherel (1885–1967)

Ordinarius für höhere Mathematik und Rektor der ETH Zürich

Michel Plancherel

Bildarchiv der ETH-Bibliothek

Michel Plancherel wurde am 16. Januar 1885 in Bussy (Kanton Freiburg) geboren. Nach dem Mathematikstudium und der Promotion an der Universität Fribourg im Jahr 1907 bildete er sich in Göttingen und Paris weiter. 1910 habilitierte er sich an der Université de Genève und wurde Privatdozent.

Professor in Fribourg

1911 wurde er ausserordentlicher, 1913 ordentlicher Professor an der Universität Fribourg, bevor er 1920 zum Nachfolger von Adolf Hurwitz als Professor für höhere Mathematik an die ETH Zürich berufen wurde. 1931 bis 1935 bekleidete er zusätzlich das Amt des Rektors. In dieser Funktion führte er den ETH-Tag ein, der noch heute jährlich im November begangen wird. 1954 trat Michel Plancherel offiziell in den Ruhestand.

Engagement für die Wissenschaft

Plancherel engagierte sich innerhalb und ausserhalb der Hochschule für die Wissenschaft. Er wurde in zahlreichen wichtigen Kommissionen als Fachmann beigezogen. Er spielte eine massgebliche Rolle bei der Gründung der "Commentarii Mathematici Helvetici", der ersten mathematischen Zeitschrift der Schweiz. Heute übrigens im Volltext auf dem Zeitschriftenportal E-Periodica (Link verlässt diese Seite) online verfügbar. Weiter präsidierte er die Schweizerische Mathematische Gesellschaft (1918–1919) und die Stiftung zur Förderung der mathematischen Wissenschaften in der Schweiz (1929–1953) und wirkte in vielen Gesellschaften und Vereinigungen mit. Der Eidgenössischen Maturitätskommission gehörte er 1926 bis 1956 an.

Privatleben und Unfall

Plancherels Einsatz galt jedoch nicht nur der Wissenschaft. In den dreissiger Jahren leitete er den freiwilligen Arbeitsdienst der Studenten. Und nach dem 2. Weltkrieg wurde er Präsident der Schweizerischen Winterhilfe, der er bis zu seinem Tod vorstand. In der Armee bekleidete er den Rang eines Obersten der Infanterie. Michel Plancherel war verheiratet mit Cécile, geborene Tercier de l'Adrey. Gemeinsam hatten sie neun Kinder.

Am 1. März 1967 wurde der rüstige Rentner Michel Plancherel Opfer eines Verkehrsunfalls, als er auf dem Heimweg von der ETH war, wo er als Prüfungsexperte den Maturitätsprüfungen beigewohnt hatte. Er verstarb drei Tage später an den Folgen des Unfalls.

Werk

Michel Plancherel lieferte wichtige Arbeiten zur Theorie der Fourierreihen, zur Funktionalanalysis und zur Theorie der partiellen Differentialgleichungen. Er befasste sich aber auch erfolgreich mit Fragen der mathematischen Physik und der Algebra.

Als eine seiner bedeutsamsten wissenschaftlichen Leistungen gilt das nach ihm benannte Theorem in der Theorie der Fouriertransformationen aus dem Jahr 1910, das sich in späteren Jahren auch mit Beiträgen von anderen Mathematikern "zu einer zentralen Rolle in der harmonischen Analysis auf lokalkompakten Abelschen Gruppen weiterentwickelt hat" (A. Pfluger). Vergleiche dazu auch den Artikel in der englischen Wikipedia (Link verlässt diese Seite) zum Plancherelschen Theorem für sphärische Funktionen.

Handschrift

Plancherels Handschrift

Michel Plancherel an Hermann Weyl, Zürich, 3. Juni 1935 (Hs 91:413). Im Brief geht es um eine mögliche Unterstützung für den in den USA weilenden Mathematiker Paul Bernays.

Bestand

Die ETH-Bibliothek verfügt über zahlreiche Werke von Michel Plancherel, unter anderem über eine Zusammenstellung von 56 Artikeln (Link verlässt diese Seite) aus den Jahren 1908–1962. Viele dieser Artikel sind in den erwähnten Commentarii Mathematici Helvetici veröffentlicht und liegen auf E-Periodica im Volltext vor.
Im Hochschularchiv der ETH Zürich wird auch sein wissenschaftlicher Nachlass aufbewahrt. Das Verzeichnis (Link verlässt diese Seite) dazu ist online über die E-Collection (Link verlässt diese Seite) abrufbar. In zahlreichen weiteren Nachlässen befindet sich Korrespondenz mit Michel Plancherel, unter anderem mit Adolf Hurwitz, Hermann Weyl, Heinz Hopf, Georg Polya und Bartel Van der Waerden.