Robert Maillart (1872–1940)

Bauingenieur und Unternehmer

Robert Maillart kommt am 6. Februar 1872 als fünftes Kind eines aus Belgien stammenden Bankiers in Bern zur Welt.

Nach erfolgreich abgeschlossener Matura tritt er 1890 das Studium des Bauingenieurwesens am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich an. Dort erlernt er unter anderem die von Carl Culmann entwickelte "Graphische Statik".

Arbeit mit Beton

Die ersten acht Jahre nach Studienabschluss studiert Maillart den neuartigen Werkstoff Eisenbeton als Angestellter von "Pümpin & Herzog", als Beamter des Tiefbauamts der Stadt Zürich und – zu guter Letzt – bei "Froté & Westermann".

Während Beton mit Zement aus Kalk und Puzzolanerde bereits von den alten Römern verwendet wurde, geriet der Werkstoff im Mittelalter in Vergessenheit.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird er wiederentdeckt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird die mangelnde Zugfestigkeit von Beton durch das Zusammenwirken von Beton und Bewehrung aufgehoben.

Familienleben und erster Weltkrieg

Während Arbeiten an der Innbrücke in Zuoz lernt Maillart die Italienerin Maria Ronconi aus Turin kennen. Kurze Zeit später sind sie bereits verheiratet. Das junge Ehepaar lässt sich in Zürich nieder und Robert gründet die eigene Bauunternehmung "Maillart & Cie.". Nach den ersten Bauten mit Pilzdecken stellt sich bald der internationale Erfolg ein. Traditionellerweise verbringt die Familie Maillart ihre Sommerferien in Italien. 1914 fährt sie jedoch stattdessen nach Riga und wird vom Ausbruch des 1. Weltkriegs überrascht. Die Familie muss vor der vorrückenden Kriegsfront nach St. Petersburg fliehen, dann weiter nach Charkow. 1916 stirbt Maillarts Gattin nach längerer Krankheit. Nach Kriegsende kehrt Maillart mit seinen drei Kindern in die Schweiz zurück. Wegen der Oktoberrevolution in Russland hat er sein gesamtes Vermögen verloren.

Nachwirkung seiner Werke

Nach seiner Rückkehr in die Schweiz zieht er sich gesellschaftlich zurück. Mit finanzieller Unterstützung von Verwandten gründet Maillart erneut erfolgreich eine eigene Firma. Am 5. April 1940 stirbt Robert Maillart 68-jährig in Genf.

Maillarts wohl bekanntestes Bauwerk ist die Salginatobelbrücke bei Schiers im Prättigau. Die Strassenbrücke wird 1930 fertig gestellt und besitzt eine Spannweite von 90 Metern. Sie ist eine Bogenbrücke nach dem von Maillart selbst entwickelten statischen Prinzip des Dreigelenk-Hohlkastengewölbes. Der Entwurf der Brücke geht 1928 aus einem Architekturwettbewerb hervor, den Maillart mit dem günstigsten unter 19 eingegangenen Entwürfen gewinnt. 1991 wird die Salginatobelbrücke von der American Society of Civil Engineers (ASCE) zum "World Monument" ernannt.

Werk

  • 1899: Stauffacherbrücke in Zürich
  • 1901: Innbrücke in Zuoz
  • 1905: Rheinbrücke, Tavanasa
  • 1912: Filtergebäude, Rorschach
  • 1925: Magazzini Generali, Chiasso
  • 1930: Salginatobelbrücke bei Schiers
  • 1933: Thurbrücke bei Felsegg (SG)
  • 1939: Gunithalle an der Landesausstellung in Zürich

Dokument

Ingenieurbureau Maillart-Strassenbrücke über das Salginatobel: Statische Berechung. Genf 1. Juni 1929. S. 32–34

ETH-Bibliothek, Hochschularchiv der ETH Zürich. Hs 1085:1929/30-1:168/11

Bestand

Während sich im E-Pics Bildarchiv Online (Link verlässt diese Seite) Porträts sowie diverse Ansichten von Bauten (Link verlässt diese Seite) Robert Maillarts befinden, wird sein  Nachlass (Link verlässt diese Seite) vom Hochschularchiv der ETH Zürich gehütet (Familienkorrespondenz: Hs 1286, Hs 1286a, Hs 1287, Hs 1287a, Hs 1288, Hs 1289; Maillart-Archiv: Hs 1084, Hs 1085, Hs 1086, Hs 1087). Ebenfalls beim Hochschularchiv der ETH Zürich kann ein Biographisches Dossier zu Robert Maillart konsultiert werden.