Vladimir Prelog (1906–1998)

Professor für organische Chemie an der ETH Zürich

Vladimir Prelog wurde am 23. Juli 1906 in Sarajevo geboren. Er studierte von 1924 bis 1929 an der Technischen Hochschule in Prag, wo er danach bis 1935 lehrte. Von 1935 bis 1941 arbeitete er an der Technischen Hochschule in Zagreb, wo er 1940 ausserordentlicher Professor wurde.

Flucht in die Schweiz

Nach dem Einmarsch der deutschen Armee verliess er 1941 das besetzte Jugoslawien und folgte einem Ruf des Nobelpreisträgers Leopold Ruzicka an das Laboratorium für organische Chemie der ETH Zürich. Zunächst als Fachhörer eingeschrieben, wurde er dort 1942 Privatdozent, 1945 Titularprofessor, 1947 ausserordentlicher und 1950 ordentlicher Professor für organische Chemie.

Nachfolge Ruzickas

1957 übernahm er als Nachfolger Leopold Ruzickas die Leitung des Laboratoriums für organische Chemie, dem er bis 1965 vorstand. Danach führte er die gemeinschaftliche Institutsleitung ein.

In seiner wissenschaftlichen Arbeit befasste sich Vladimir Prelog vorwiegend mit der Strukturaufklärung und Synthese von Naturstoffen. Hierbei widmete er seine Forschungen vor allem stickstoffhaltigen, pflanzlichen Wirkstoffen (Alkaloiden), Antibiotika und eisenhaltigen Verbindungen aus Mikroorganismen.

Stereochemische Probleme

Viele Jahre befasste er sich mit stereochemischen Problemen. Die Untersuchung des genauen räumlichen Aufbaus und Verhaltens von organischen Verbindungen erregte seine besondere Aufmerksamkeit. Anerkennung erwarb er sich in diesem Feld insbesondere mit der Erforschung von "mittleren Ringen", das heisst Ringverbindungen, welche 8 bis 14 Kohlenstoffatome enthalten. Prelog fand mit der Acyloinsynthese eine Herstellungsmethode für solche vorher kaum zugängliche Verbindungen. Zudem erfasste er, dass die besonderen Eigenschaften dieser Verbindungen nur mittels einer Erweiterung der stereochemischen Betrachtungsweise erforschbar waren und wurde so zu einem Mitbegründer der Konformationsanalyse. Damit schloss er eine Forschungslücke zwischen den klassischen Ringen (bis 6 C-Atome) und den von Ruzicka untersuchten grossen Ringsystemen (über 16 C-Atome).

Kahn-Ingold-Prelog-Konvention

Vladimir Prelog gelangen darüber hinaus wegweisende Untersuchungen über den stereochemischen Verlauf enzymatischer Reaktionen. Seine anhaltende Auseinandersetzung mit stereochemischen Fragestellungen führte dazu, dass er sich intensiv mit den theoretischen Grundlagen der Stereochemie befasste. So erarbeitete er gemeinsam mit Robert Sidney Cahn und Christopher Kelk Ingold die Cahn-Ingold-Prelog-Konvention. Mit ihrer Hilfe kann der Chiralitätssinn von Molekülen eindeutig bezeichnet werden. Die ursprünglich zur Klassifizierung des Chiralitätssinnes organischer Moleküle entwickelten Sequenzregelverfahren bildeten die Grundlage für die Schaffung einer eigentlichen chemischen Topologie.

Forschung zu Medikamenten und Titel

In der wissenschaftlichen Grundlagenforschung sah Prelog eine gesellschaftlich relevante Tätigkeit. Dies vor allem, wenn sie zur Entwicklung von Medikamenten, etwa zur Bekämpfung von Tuberkulose oder Lepra, beitrug. Auf Prelogs Arbeiten beruhte auch die Entwicklung wirksamer Antibiotika.

Vladimir Prelog, der es rückblickend selbstironisch auf insgesamt 132 Semester Chemiestudium brachte, wurde im Rahmen seiner wissenschaftlichen Laufbahn mit zahlreichen Ehrendoktoraten, Gastvorlesungen und Auszeichnungen gewürdigt. 1975 erhielt er gemeinsam mit John Warcup Cornforth für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Stereochemie organischer Moleküle und Reaktionen den Nobelpreis für Chemie zugesprochen.

Prelog-Medaille

1976 trat er in den Ruhestand, zog sich aber keineswegs aus der Forschung zurück. So blieb er an der ETH Zürich als Fachhörer eingeschrieben und verfolgte seine Forschungsprojekte mit Hilfe von Postdoktoranden und aus eigenen Mitteln weiter. Am 22. September 1986 fand anlässlich des 80. Geburtstages von Vladimir Prelog ein wissenschaftliches Symposium im Auditorium Maximum der ETH Zürich statt. In diesem Rahmen wurde die erste "Prelog-Vorlesung" gehalten und erstmals die goldene "Prelog-Medaille" verliehen.

Vladimir Prelog verstarb am 7. Januar 1998 in Zürich.

Handschrift

Prelogs Handschrift

Erste beschriebene Seite eines handschriftlich geführten Laborjournals von Vladimir Prelog aus den Jahren 1935 bis 1936, verfasst während seiner Zeit als Professor für Organische Chemie an der Technischen Fakultät der Universität Zagreb.
(ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 1152: 16. Protokoll 1935-1936, Zagreb, erste beschriebene Seite)

Bestand

Informationen über Prelogs Leben und Werk bietet das Biographische Dossier im Hochschularchiv der ETH Zürich. Dort befindet sich auch der Nachlass von Prelog – aufgeteilt in "Ehrenurkunden und Publikationsverzeichnisse (Link verlässt diese Seite)" und "Frühe Arbeiten: Manuskripte, Bibliographie, Kommentar (Link verlässt diese Seite)". Die entsprechenden Nachlassverzeichnisse können online eingesehen werden.

Ein grosser Fundus an amtlichen Dokumenten von und zu Prelog aus seiner Zeit als Angestellter der ETH Zürich bietet das Historische Schulratsarchiv (Protokolle, Akten und Missiven aus der Zeit von 1854 bis 1968), dessen Protokolle online abfragbar sind: Schulratsprotokolle Online (Link verlässt diese Seite). Ebenfalls im Hochschularchiv der ETH Zürich, in der Sammlung der Medaillen, befinden sich rund 100 Ehrenmedaillen. Porträts von Prelog besitzt das Bildarchiv.