Wilhelm von Gonzenbach (1880–1955)

Professor für Hygiene und Bakteriologie an der ETH Zürich

Am 7. April 1880 geboren, verbrachte Wilhelm (Willi) von Gonzenbach seine Kindheit in St. Gallen. In Zürich und München studierte er Medizin und habilitierte 1914 in Zürich. Während seines Studiums erkrankte er an Kinderlähmung. Nachdem er von 1909 bis 1920 als Assistent und ab 1914 als Privatdozent an der Universität Zürich tätig gewesen war, wirkte er von 1920 bis 1950 als Professor an der ETH Zürich. Hier leitete er das Institut für Hygiene und Bakteriologie, das sich zum Zentrum der Schweizer Hygieneforschung entwickelte. Er war ausserdem als Dozent an der sozialen Frauenschule in Zürich, als Präsident des Betriebsausschusses der Tuberkolose-Kommission Zürich-Stadt sowie in vielen weiteren Gremien tätig. Von 1922 bis 1947 war er zudem Mitglied des Grossen Stadtrates und des Kantonsrates von Zürich.

Leitmotive und Grundsätze

Die Leitmotive seines Denkens waren die Gesundheit zu schützen sowie Lebenskraft und Lebensfreude der Menschen zu verbessern. So befasste er sich nach dem Ersten Weltkrieg zunächst mit der Wunddesinfektion. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit lag viele Jahre im Problem der Verunreinigung von Seen und fliessenden Gewässern, womit er sehr früh ein immer wichtiger werdendes Thema – den Gewässerschutz – erkannte. Bereits 1932 gründete er die Beratungsstelle für Abwasserreinigung und Trinkwasserversorgung, die Mitte der 40er Jahre zur Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz wurde.

Visionen und zukünftige Pläne

Auch in anderen Bereichen sah er zukünftige Entwicklungen voraus, etwa die Veränderung der Alterspyramide sowie die Luftverschmutzung in Industriebetrieben und in der Luft. Auch über das Gleichgewicht von Körper und Seele, von Arbeit und Erholung machte er sich früh Gedanken. Er forderte eine obligatorische Krankenversicherung, eine Mutterschaftsversicherung, eine Neuausrichtung der Krankenhäuser usw. Darüber hinaus befasste er sich zum Beispiel mit Fragen der Ernährung, der Unfallverhütung sowie insbesondere des gesundes Bauens und Wohnens. Bis zu seinem Tod am 16. Oktober 1955 stand somit stets das Wohl des Menschen im Mittelpunkt seines Schaffens; sein Ziel war immer, seine Erkenntnisse auch politisch umzusetzen.

Handschrift

Gonzenbachs Handschrift

Vorlesungskonzept "Über Wasserhygiene" vom 14. November 1928 (Hs 1164:5)

Bestand

Im Hochschularchiv der ETH Zürich befinden Manuskripte und umfangreiche Korrespondenz. Das Verzeichnis kann in der ETH E-Collection (Link verlässt diese Seite) eingesehen werden. In den biographischen Dossiers werden weitere Informationen zum Leben und Werk von Willi von Gonzenbach gesammelt. Im Bildarchiv befinden sich neben einigen Porträts Fotografien, die im Auftrag des Instituts für Hygiene vom Photographischen Institut der ETH Zürich aufgenommen wurden. Im Bibliotheksbestand sind einige Publikationen von Willi von Gonzenbach vorhanden, die über das Wissensportal bestellt werden können.