Astronomie und Sonnenforschung – Rudolf Wolf und sein Erbe

Rudolf Wolf (1816 bis 1893) war ein klassischer Naturforscher des 19. Jahrhunderts. Vor 200 Jahren geboren, zeichnen ihn sein breites wissenschaftliches Interesse, bedeutende Entdeckungen, fachüberschreitender Austausch sowie eine vielfältige Publikations- und Sammlungstätigkeit bis heute aus.

Astronom und Gründer der Eidgenössischen Sternwarte

Seine grössten wissenschaftlichen Erfolge feierte Rudolf Wolf als Astronom. 1852 beschrieb er – zeitgleich mit anderen – die Entdeckung des Zusammenhangs zwischen den Schwankungen des Magnetfelds der Erde und der Sonnenfleckenaktivität. Ihm gelang der Nachweis, dass ein Sonnenfleckenzyklus gut 11 Jahre dauert. Wolfs internationaler Ruhm als Astronom verschaffte ihm 1855 den Ruf ans neu gegründete Polytechnikum (heute ETH) in Zürich. Dort errichtete der Architekt Gottfried Semper nach Wolfs Vorgaben die Eidgenössische Sternwarte. Sie diente Wolf und seinen Nachfolgern als Basis für die weitere Erforschung und Beobachtung der Sonne.

Erster Direktor der ETH-Bibliothek

Im Nebenamt wurde der Astronomieprofessor zum ersten Bibliothekar des Polytechnikums gewählt. Eine Idealbesetzung: Wolf verfügte nicht nur über ein breites mathematisch-naturwissenschaftliches Fachwissen, sondern er interessierte sich auch für kulturwissenschaftliche Fragen und verfügte über ausgezeichnete Kontakte zu den naturforschenden Gesellschaften der Schweiz. Diese unterstützten den Aufbau der neuen Bibliothek mit Bücherspenden. Pünktlich zur Eröffnung der Bibliothek im Januar 1856 legte Wolf den ersten gedruckten Katalog (Link verlässt diese Seite) vor.

Das Erbe Wolfs

Heute gehören etwa seltene astronomische Werke und andere Ankäufe bzw. Übernahmen aus der Ära Wolf zu den gesuchtesten und wertvollsten Altbeständen der ETH-Bibliothek. Das Erbe Wolfs geht aber weit darüber hinaus: Die Lehrsammlung Sternwarte mit ihren wissenschaftlichen Instrumenten, die ebenfalls auf der Sammlungstätigkeit Wolfs gründet, wird heute von der ETH-Bibliothek aufbewahrt und zugänglich gemacht. Das gilt u. a. auch für die hundertjährige Messreihe der Sonnenflecken, die auf Wolfs systematische Sonnenbeobachtung zurückgeht. Vieler dieser historisch wertvollen Dokumente und Objekte macht die ETH-Bibliothek online zugänglich.

Materalien zu Wolf, Astronomie und Sonnenforschung

Alte und Seltene Drucke

Cometa anno 1664 et 1665 observatus à Joh Hevelio

Johannes Hevelii Prodromus Cometicus, 1666, Fig. A [S. 10]
ETH-Bibliothek, Alte und Seltene Drucke, Rar 9472 fol., http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-332

Bildarchiv

Ptolemeisch General Tafel, 1598

ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Ans_02775-010-PL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000016090

Hochschularchiv der ETH Zürich

Sonnenfleckenzeichnung Nr. 10286, 1927

Zeichnung von Flecken und Fackelflächen zur Ermittlung der Sonnenaktivität am 11. Februar 1927, erstellt von William Otto Brunner. ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 1304.2:10323.

Sammlung Sternwarte

Graphometer, Michael Butterfield, ca. 1700

ETH-Bibliothek, Sammlung Sternwarte, KGS_333-02

Literatur