Sonnenfinsternisse über der Schweiz

Totale Sonnenfinsternisse

Am 12. Mai 1706 fand eine totale fast vierminütige Sonnenfinsternis statt, die bei schönem Wetter von der ganzen Schweiz aus beobachtet werden konnte. Dementsprechend wurde sie in zahlreichen Chroniken erwähnt und mit eindrucksvollen Darstellungen wiedergegeben.

Johann Jakob Scheuchzer (1672–1733)

Beschreibung der Natur-Geschichten des Schweizerlands (Link verlässt diese Seite) (Zweyter Theil, Zürich, 1707)

Eindrücklich wird das Naturereignis in den "Memorabilia tigurina" von Hans Heinrich Bluntschli (Zürich, 1742) beschrieben:

"Anno 1706, den 12 Mey, ware die noch in frischem Angedenken erschrockliche Sonnen-Finsternuss, welche um 8 Uhr 45 Min. ihren Anfang genommen, das Mittel, oder da sie am grössten ware, um 10 Uhr, das Ende um 11 Uhr, in welcher Zeit die Sonn von dem Mond, gleich als mit einem Vorhang völlig bedeckt worden, und also ihren Schein gänzlich verlohren, so gar, dass auch die Sternen zum Vorschein kommen. Man sahe um 10 Uhren keine Arbeit mehr zu verrichten. Das Geflügel begab sich in die Ruhe und Nester, und sahe man auf dem Weinplatz die Fledermäusse herum fliegen. Auf diese Finsternuss ist ein sehr heisser Sommer gefolget, und ist alles an Wein, Früchten und Obs wohl gerathen."

Johann Melchior Füssli (1677–1736)

"Vorstellung der besonders remarquablen grossen sichtbaren total Sonnen Fünsternuss welche A. 1706 den 11. Maÿ sich ereignet in einem schönen Prospect des berühmten Zürcher See vorgestellet."

Interessanterweise findet man im gleichen Werk keine Beschreibung der totalen Sonnenfinsternis über der Schweiz, die nur 18 Jahre später, am 22. Mai 1724, eingetreten ist. Auch sie wäre, aufgrund von heutigen Rechnungen, von weiten Teilen unseres Landes aus zu beobachten gewesen. Da die Totalität aber kurz vor Sonnenuntergang eintrat, kann man annehmen, dass die Finsternis bei damals bedecktem Himmel in unserem Land kaum von jemandem registriert wurde; es muss einfach ungewohnt früh eingenachtet haben.

Johann Melchior Füssli (1677–1736)

"Vorstellung der grossen sichtbaren Sonnen Fünsternuss welche in gegenwärtigen 1724. Jahr d. 22. Maÿ zusehen gewesen in einem angenehmen Prospect des berühmten Zürcher See vorgestellet."

Ringförmige Sonnenfinsternisse

In der Schweiz konnte auch eine ringförmige Sonnenfinsternis beobachtet werden, und zwar am 7. September 1820. In den "Memorabilia tigurina" von Friedrich Vogel von 1841 wird sie sehr genau beschrieben:

"Der Herbstmonat war wieder schön vom 2. bis zum 18. An einem dieser Tage konnte eine grosse ringförmige Sonnenfinsterniss vollständig beobachtet werden, die in sehr vielen Städten Europas zum Theil hinter Wolken vorging. Der Anfang der Finsterniss erfolgte den 7. Herbstmonat um 1 Uhr 14 Minuten 58 Sekunden, die Bildung des Lichtrings um 2 Uhr 42 Minuten 4½ Sekunden, die Zertrennung desselben 43 Minuten 42 Sekunden, das Ende der Finsterniss um 4 Uhr 3 Minuten 42½ Sekunden. Die Lichtabnahme zur Zeit der grössten Verfinsterung war bedeutend, der Farbton der Luft und aller von der Sonne beschienenen Gegenstände röthlich, so dass es einem vorkam, man sey in eines der Länder versetzt, aus welchem man etwa Beschreibungen von Erdbeben und deren Vorboten gelesen hatte. Das Thermometer fiel von 15 und 16 Graden in wenigen Minuten auf 12 Grade herunter; was fühlbar genug den seltsam schauerlichen Eindruck des Ganzen erhöhte."

Ebenfalls eine ringförmige Sonnenfinsternis mit einer Dauer in Zürich von 6 Minuten 35 Sekunden fand am 9. Oktober 1847 statt.

Sonnenfinsternisse im 20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert verliefen zwei totale Sonnenfinsternisse an der Schweiz vorbei, am 17. April 1912 (in Zürich war der maximale Überdeckungsgrad 88 Prozent) und am 15. Februar 1961 (mit einem Überdeckungsgrad über 90 Prozent). Die für die Schweiz partielle Sonnenfinsternis am 11. August 1999 zählte also zweifellos zu den astronomischen Jahrhundertereignissen.