Adolf Kraemer (1832–1910)

Professor für landwirtschaftliche Betriebslehre und Tierproduktion am Eidgenössischen Polytechnikum

Adolf Kraemer wurde am 25. Mai 1832 im westfälischen Berleburg als Sohn von Justine und Johann Daniel Kraemer geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Soest absolvierte er 1842 bis 1852 ein Praktikum bei seinem Vater, Domäneninspektor des Fürsten Sayn-Wittgenstein. Darauf studierte er am Landwirtschaftlichen Institut in Wiesbaden, war anschliessend Verwaltungsgehilfe auf einem herrschaftlichen Gutsbetrieb bei Wetzlar und Lehrer an der dortigen bäuerlichen Winterschule. Von 1855 bis 1863 unterrichtete er an Ackerbauschulen. 1857 doktorierte er an der Universität Jena.

Ehe und beruflicher Werdegang

Drei Jahre danach feierte er Hochzeit mit Marie Pauline Mathilde Parrée aus Zürich, mit der er später zwei Söhne hatte. Ab 1863 wirkte er als Dozent an der landwirtschaflichen Akademie in Poppelsdorf und Verwalter des zugehörigen Versuchsguts. Von 1865 an lehrte er an der Technischen Hochschule Darmstadt. Im folgenden Jahr wurde er Generalsekretär der landwirtschaftlichen Vereine des Grossherzogtums Hessen.

Gründung der ersten höheren landwirtschaftlichen Ausbildung

1871 folgte er dem Ruf nach Zürich ans Eidgenössische Polytechnikum. Als Professor für landwirtschaftliche Betriebslehre und Tierproduktion baute er hier zusammen mit weiteren Dozenten die neue Abteilung für Landwirtschaft auf, die erste höhere landwirtschaftliche Ausbildungsstätte in der Schweiz. Dabei hatte er anfängliche Skepsis in bäuerlichen Kreisen und auch innerhalb des Polytechnikums zu überwinden. Unter seiner Leitung wurden im Laufe der Zeit der Abteilung eine agrikulturchemische Untersuchungsanstalt sowie eine Samenkontrollstation angegliedert.

Nebenberufliche Tätigkeiten

Sein Wissen verbreitete er auch ausserhalb der Hochschule durch eine rege Vortragstätigkeit in landwirtschaftlichen Versammlungen. Als Bindeglied zwischen landwirtschaftlicher Praxis und Lehre gründete er 1882 die Gesellschaft Schweizer Landwirte und war 1897 Gründungsmitglied des agrarpolitisch einflussreichen Schweizerischen Bauernverbandes. Kraemer verbreitete als erster die landwirtschaftliche Genossenschaftsidee in der Schweiz, den Zusammenschluss von Landwirten für produktive und geschäftliche Zwecke. Als Gutachter des Schweizerischen Bundesrates hatte er massgeblichen Einfluss auf das Bundesgesetz zur Förderung der Landwirtschaft.In politischen Tagesfragen hielt er sich im übrigen als Ausländer zurück.

1898 verlieh ihm Zürich das Bürgerrecht. 1905 trat der 75-jährige von seiner Lehr- und Forschungstätigkeit zurück und starb am 2. Dezember 1910 in Zürich.

Handschrift

Handschrift

Der nach seiner Emeritierung zurückgezogen lebende Adolf Kraemer beglückwünscht seinen Kollegen Carl Schröter, Botanikprofessor an der ETH Zürich, zu dessen 25-jährigem Amtsjubiläum, entschuldigt sich jedoch für seine Abwesenheit an der Jubiläumsfeier. Brief vom 9. Juni 1909 im Nachlass Carl Schröter, ETH-Bibliothek, Hochschularchiv der ETH Zürich,
Hs 399:726

Bestand

Kraemer veröffentlichte zahlreiche Schriften zu seinen beiden Spezialgebieten landwirtschaftliche Betriebslehre und Tierzucht, die im Wissensportal der ETH-Bibliothek mit beiden Schreibweisen "Kraemer" und "Krämer" bestellt werden können. Im Hochschularchiv der ETH Zürich finden sich Briefe Kraemers in verschiedenen Nachlässen anderer ETH-Professoren. Seine Laufbahn am Eidgenössischen Polytechnikum lässt sich in den Schulratsprotokollen Online (external link) verfolgen. Ein Dossier in der Biographica Sammlung enthält weitere Auskünfte zu Kraemers Leben und Werk.