Hans Schardt (1858–1931)

Professor für Geologie an der ETH Zürich

Hans Schardt

Bildarchiv der ETH-Bibliothek

Hans Schardt wurde am 18. Juni 1958 in Basel geboren.

Nach dem Ende der Schulzeit zog er nach Yverdon, um den Apothekerberuf zu erlernen, er interessierte sich aber auch für Geologie. 1883 erhielt er das Diplom zum Mittelschullehrer und Apotheker.

Anfänge in der Geologie

Nun vollzog Schardt offiziell den Schritt hin zur Geologie und promovierte bloss ein Jahr später in Genf zum Thema "Etudes géologiques sur le Pays-d'Enhaut vaudois".
Von 1893 bis 1897 unterrichtete er Naturwissenschaften und Geographie am Collège de Montreux. Zugleich trieb er seine mit der Dissertation begonnene Forschung in den Voralpen weiter voran.

Habilitation

1891 habilitierte er sich an der Universität Lausanne und vertiefte sein Wissen während eines Studienaufenthalts in Heidelberg. 1897 berief die Akademie und spätere Universität Neuenburg Hans Schardt zum ordentlichen Professor für Geologie und Paläontologie. Neben Lehre und Forschung war er massgeblich am Aufbau des geologischen Instituts beteiligt und präsidierte die Naturforschende Gesellschaft in den Jahren 1908 bis 1910.

Nachfolge Heims und Forschertätigkeit

1911 trat Hans Schardt die Nachfolge Albert Heims als Professor für Geologie an der ETH und Universität Zürich an. Nach 17 Jahren im Dienste der beiden Hochschulen trat Schardt von seiner Lehrtätigkeit zurück. Als Forscher befasste sich Hans Schardt vornehmlich mit Tektonik, Hydrologie, Stratigraphie und angewandter Geologie. In erster Linie bleibt sein Name jedoch mit der Deckentheorie verbunden. Bereits 1834 hatte Albert Heims Vorgänger Arnold Escher von der Lindt erkannt, dass in den Alpen keine blosse Faltung vorliegt. Er erklärte sich die verkehrte Altersabfolge von Gesteinsschichten in den Glarner Alpen mit einer Doppelfalte und machte die Bergkette im Glarus damit zum geologischen Sonderfall.

Die Deckentheorie

Die Deckentheorie hingegen erklärt das Phänomen durch Überschiebung jüngerer Schichten über ältere. Zwischen 1878 und 1902 tobte ein wissenschaftlicher Streit zwischen den Vertretern der beiden Theorien. In einem Artikel von 1893 zeigte Schardt, dass auch in den Präalpen der Westschweiz ältere jurassische Sedimente auf jüngerem Flysch lagen, was die Sonderrolle der Glarner Alpen widerlegte und der Deckentheorie schliesslich zum Durchbruch verhalf.

Funktion als Berater

Hans Schardt fungierte ausserdem als geologischer Berater beim Bau verschiedenster Bauwerke so beispielsweise des Simplontunnels oder des Wäggitalwerks. In seiner Lehre hatte die Praxis einen hohen Stellenwert. Exkursionen waren für ihn die Grundlage jeglicher geologischer Erkenntnis, zudem führte er im Laufe der Zeit geologische Praktika und Übungen in die Lehre ein. Auch seine Emeritierung im Jahre 1928 vermochte seinen Tatendrang nicht zu bremsen. Er fuhr mit seinen Studien fort und erklomm hohe Berggipfel bis kurz vor seinem Tod am 3. Februar 1931 durch einen Schlaganfall im Alter von 73 Jahren.

Handschrift

Schardts Handschrift

Originalskizze für Hans Schardts Dissertation "Etudes géologiques sur le Pays-d’Enhaut vaudois" aus dem Jahr 1884.
(ETH-Bibliothek, Hochschularchiv der ETH Zürich, Hs 389: 913).

Bestand

Informationen über Hans Schardts Leben und Werk bietet ein biographisches Dossier. Originaldokumente aus dem Nachlass Schardts finden sich in den Beständen Hs 389 (Materialien zum Werk, Kartenmaterial) sowie Hs 388 (Briefe). Biographische Dossiers wie auch der Nachlass Schardts befinden sich im Hochschularchiv der ETH Zürich. Das Nachlassverzeichnis (external link) kann im Online-Angebot E-Collection der ETH-Bibliothek eingesehen werden. Im Bildarchiv der ETH-Bibliothek liegen einige Porträts von Hans Schardt.