Johann Gottfried Kinkel (1815–1882)

Professor für Archäologie und Kunstgeschichte

Johann Gottfried Kinkel erblickte am 11. August 1815 in Oberkassel bei Bonn das Licht der Welt. Sohn eines evangelischen Geistlichen absolvierte er das Studium der Theologie in Bonn und Berlin. Seit 1836 wirkte Kinkel als Privatdozent in Bonn und seit 1838 zusätzlich als Hilfsprediger in Köln. Seit 1837 findet sich in seinem Schaffen eine stärkere Hinwendung zur Kunstgeschichte.

Ehe mit Johanna Mathieux

Nach der damals als skandalös empfundenen Heirat Kinkels mit der geschiedenen Katholikin, Komponistin und Schriftstellerin Johanna Mathieux wurde er von der theologischen in die philosophische Fakultät der Universität Bonn zwangsversetzt.

Der Haushalt des Ehepaars Kinkel war in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts der Mittelpunkt des kulturellen Lebens Bonns. Das Ehegespann initiierte zudem den bekannten spätromantischen Dichterkreis "Der Maikäfer", in dem sich Kinkel auch als Dichter hervortat.
1846 wurde Gottfried Kinkel die Professur für Kunst und Literaturgeschichte an der Universität Bonn übertragen.

Politik und Gefangenschaft

In dieser Zeit des Vormärz entwickelte sich Gottfried Kinkel auch politisch zu einer der führenden Gestalten der demokratischen Bewegung. So erstaunt es nicht, dass er als Abgeordneter in die Preussische Kammer gewählt wurde. Als die Reaktion 1849 das demokratisch gewählte Parlament wieder auflöste, griff Kinkel zur Waffe und schloss sich dem in Baden ausgebrochenen Aufstand an. Nach seiner Gefangennahme wurde er zum Tode verurteilt, aber das Urteil wurde in eine lebenslängliche Haftstrafe umgewandelt. Während seines Arrests verfasste Kinkel eine Autobiographie über seine politisch aktiven Jahre 1838 bis 1848. 1850 wurde Kinkel durch den Studenten und späteren Innenminister der Vereinigten Staaten von Amerika, Karl Schurz, aus dem Gefängnis in Spandau befreit.

Exil in England und Emigration in die Schweiz

Kinkel begab sich nach London ins Exil, wo er sich als Deutschlehrer am Westbourne College seinen Unterhalt verdiente. 1858 verstarb Kinkels Gattin Johanna.

1866 wurde Gottfried Kinkel an das eidgenössische Polytechnikum in Zürich (die heutige ETH Zürich) als Professor für Archäologie und Kunstgeschichte berufen. Später fungierte der Kunsthistoriker ausserdem als Vorsteher der allgemeinen philosophischen und staatswissenschaftlichen Abteilung des Polytechnikums. Als engagierter Forscher gründete er die archäologische Sammlung, deren erster Direktor er wurde. Überdies errichtete er die Kupferstichsammlung des Polytechnikums.

1875 erhielt Johann Gottfried Kinkel das Bürgerrecht der Stadt Zürich. Er starb am 13. November 1882, noch immer in den Diensten des Polytechnikums stehend, in Zürich.

Handschrift

Kinkels Handschrift

Brief Gottfried Kinkels vom 28. Mai 1860 an eine Freundin (Hochschularchiv der ETH Zürich, Hs 129: 3)

"Wegen Zürich ist alles im Ungewissen. Man will die Stelle nun erst für den Winter besetzen, und weitere Candidaten werden sich genug melden..."

Tatsächlich wurde Gottfried Kinkel erst 1866 als Professor an das Polytechnikum Zürich berufen.

Werke

  • Kinkel, Gottfried. Otto der Schütz. Wien 1856.
  • Kinkel, Gottfried. Der Grobschmied von Antwerpen in sieben Historien. Stuttgart 1872.
  • Kinkel, Gottfried. Geschichte der bildenden Künste bey den christlichen Völkern. Bonn 1845.
  • Kinkel, Gottfried. Die Brüsseler Rathhausbilder des Rogior van der Weyden und deren Kopien in den burgundischen Tapeten zu Bern (Eidgenössische Polytechnische Schriften 1867/1868).
  • Kinkel, Gottfried. Die Gypsabgüsse der archäologischen Sammlung in Zürich. Zürich 1871.
  • Kinkel, Gottfried. Das Kupferstichkabinett des eidgenössischen Polytechnikums (Eidgenössische Polytechnische Schriften 1876/1877).
  • Sander, Richard (Hg.). Gottfried Kinkels Selbstbiographie 1838-1848 (Veröffentlichungen aus der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek Bonn ; Band 1). Bonn 1931.

Bestand

Im Hochschularchiv der ETH Zürich befinden sich Dokumente aus dem Nachlass von Johann Gottfried Kinkel. Der Nachlass besteht weitgehend aus Briefen Kinkels aus seiner Zeit in England und der Schweiz sowie aus einigen Manuskripten. Das Nachlassverzeichnis (external link) kann online eingesehen werden. Die Biographica-Sammlung enthält ein Dossier mit Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln zu seinem Leben und Werk. Zu seiner Tätigkeit an der ETH Zürich liefert das Schulratsarchiv zahlreiche Informationen.