Georg Lunge (1839–1923)

Professor für chemische Technologie an der ETH Zürich

A portrait of Georg Lunge
Georg Lunge E-Pics Image Archive Online

Georg Lunge wurde am 15. September 1839 als Sohn des Kaufmanns Heinrich Lunge und Amalie Lunge in Breslau geboren. Unmittelbar nach dem Abitur nahm er an der Universität seiner Heimatstadt das Studium der Naturwissenschaften auf, das er bereits im Alter von 20 Jahren mit seiner Dissertation abschloss. Ein weiteres Studienjahr bei Professor Robert Bunsen in Heidelberg rundete Lunges Ausbildung ab.

Erfolge in England

1920 kehrte Lunge nach Schlesien zurück, um seine im Studium erworbenen Kenntnisse in der chemischen Industrie anzuwenden. Der Versuch, ein eigenes Unternehmen aufzubauen, schlug allerdings fehl. Umso erfolgreicher waren seine Bemühungen 1865 in England Fuss zu fassen, das zu diesem Zeitpunkt von der chemischen Industrie dominierte wurde. Innerhalb kurzer Zeit wurde er Direktor einer neu gegründeten Sodafabrik in der Nähe von Newcastle.

Durch die 1869 mit Kathleen Bowron geschlossene Ehe, heiratete Lunge in die Inhaberfamilie der Fabrik ein. Als Chemiker und Unternehmer beschäftigte sich Lunge intensiv mit der technischen Sodafabrikation. Dank wissenschaftlichen Beiträgen und zahlreichen Publikationen zu englischen Grossproduktionsanlagen machte er sich über die Landesgrenzen hinaus einen Namen als technischer Chemiker.

Zeit an der ETH Zürich

Die von Lunge betriebene Kombination von Wissenschaft und praktisch-industrieller Anwendung führte dazu, dass er 1876 als Professor für technische Chemie und chemische Technologie an die ETH Zürich berufen wurde. Nachdem der damalige Direktor der BASF, Heinrich Caro, die Professur abgelehnt hatte, fiel die Wahl des Schulrats auf Lunge, der zugleich Leiter des chemisch-technischen Labors wurde. Bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1907 setzte sich Lunge intensiv für eine praxisnahe Forschung und Ausbildung ein. Als Forscher blieb er dem Gebiet der anorganischen Verfahrenstechnik und der Analytik grosstechnischer Prozesse, vor allem der Schwefelsäure- und Sodaproduktion, verpflichtet. Er verfasste dazu mehrere Standardwerke wie das zweibändige Handbuch der Soda-Industrie von 1879.

Mitwirkung und Lunge-Stiftung

Als Lehrer entwickelte er ein eigenes chemisch-technisches Praktikum, das er auch selbst leitete. Als Reaktion auf die seit Mitte der 1870er Jahre stark gestiegenen Zahl der Chemiestudierenden wurde 1889 das neue Chemiegebäude an der Universitätstrasse eröffnet. Lunge hatte entscheidend an der Konzeption und Einrichtung dieses von den Architekten Friedlich Bluntschli und Georg Lasius erstellten Baus mitgewirkt. Nach seiner Emeritierung beschäftigte sich Lunge mit Neuauflagen seiner Bücher und engagiert sich mit der 1909 errichteten Lunge-Stiftung für die Förderung des Nachwuchses auf dem Gebiet der Chemieingenieurwissenschaften. Georg Lunge starb am 3. Januar 1923 in Zürich.

Handschrift

Dankesschreiben Georg Lunges an den Botanikprofessor Karl Schröter vom 13. Februar 1914  ETH-Bibliothek Zürich, Hochschularchiv der ETH Zürich, Hs 399:790
Letter of thanks from Georg Lunge to Professor Karl Schröter, February 13. The ETH Library,  University Archives, Hs 399:790

Bestand

Zahlreiche Publikationen von Georg Lunge sind an der ETH-Bibliothek vorhanden. Im Hochschularchiv der ETH Zürich finden sich diverse Schreiben Lunges an Forscher wie Karl Schröter, Louis Rollier und Albert Heim sowie Nachschriften einiger seiner Vorlesungen. Ein biografisches Dossier gibt Auskunft sein Leben.


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