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Jakob Ackeret (1898–1981)

Die Entwicklung von Flugzeugen in der Schweiz

Schon bei der Gründung des Instituts für Aerodynamik standen die Interessen der schweizerischen Flugzeugindustrie und des Militärs im Vordergrund. Die theoretischen Untersuchungen im neuen Windkanal fanden dann im Flugzeug- und Turbinenbau ihre praktische Umsetzung. Trotz der Bemühungen Ackerets und vor allem der Ingenieure im Flugzeugbau scheiterte schliesslich die Serienproduktion eines in der Schweiz entwickelten Flugzeugs.

Ackerets Verdienste um den Flugzeugbau hat kürzlich Georges Bridel detailliert geschildert.

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Untersuchungen am Jagdflugzeug Dewoitine 27

Während des Zweiten Weltkrieges wurde in der Schweiz eine eigentliche Flugzeugindustrie aufgebaut und eigene Propellerflugzeuge hergestellt. Nach dem Krieg nahmen die Eidg. Flugzeugwerke Emmen und die Dornier-Flug AG in Altenrhein die Entwicklung von Strahlflugzeugen in Angriff. In diesen Firmen arbeitete eine Reihe von Schülern Ackerets. In Emmen entstanden Windkanäle nach dem Vorbild der ETH. Hier wurde auch das Mehrzweckflugzeug N-20 entwickelt, während in Altenrhein das Erdkampfflugzeug P-16 entstand. Die ETH arbeitete besonders mit Altenrhein eng zusammen, allen voran Jakob Ackeret und sein IfA. Die beiden Projekte konkurrenzierten sich gegenseitig. 1954 wurden die Entwicklungen in Emmen eingestellt, aber Altenrhein erhielt Ende 1957 nach einigen Kontroversen den Auftrag für 100 Flugzeuge des Typs P-16 - dachte man jedenfalls, als das Schweizer Parlament einen entsprechenden Kredit sprach. Dann aber stürzte kurz vor Vertragsunterzeichnung im März 1958 ein zweiter Prototyp ab. Auf Druck des Militärs zog dann der Bundesrat den Auftrag zurück und gab damit dem Schweizer Düsenflugzeugbau den Todesstoss. Darauf reichte Ackeret enttäuscht seine Demission als Präsident der KMF ein.

Eine gewisse Befriedigung erlebten die Ingenieure, als das Nachfolgeprojekt, das erste Geschäftsreiseflugzeug Lear Jet, erfolgreich in Serienproduktion ging - jedoch nicht in Altenrhein, sondern in den USA.

Georges Bridel: Jakob Ackeret (1898-1981). In: Schweizer Wegbereiter des Luftverkehrs. Meilen 1998, S.73-90 (Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik; Bd. 67).

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Die Vampire wurde den Schweizer
Prototypen vorgezogen
Quelle: ETH-Bibliothek (Dia 240:281)

Prof. Ed. Amstutz widmete sich in der Zeitschrift Flugwehr und -Technik im Jahre 1958 den Gründen dieses Scheiterns. Genügende Absatzaussichten boten seiner Ansicht nach in der Schweiz nur Militärflugzeuge. Den Einwand, die Schweiz sei zur Eigenentwicklung nicht fähig, lässt er mit Blick auf die florierende Maschinenindustrie nicht gelten. Ein nicht unüberwindbares Hindernis sah er in der schwerfälligen Verwaltung und in Vorschriften, die kaum Spielraum liessen und vor allem mangelnde Kontinuität in der Planung und bei der Kreditvergabe. Die verantwortlichen Kreise waren sich offenbar nicht einig über die Zweckbestimmung eines schweizerischen Militärflugzeuges:

"Was in der Tat den Erfolg einer Eigenentwicklung von Militärflugzeugen in der Schweiz von jeher am meisten gefährdet hat, das ist in den vergangenen Wochen und Monaten deutlicher als je an den Tag gekommen. Es ist das Wirrwarr der Auffassungen über die für unsere Landesverteidigung zweckmässigen Flugzeugtypen... Wissen, was man will, war nie die Stärke unserer Fliegertruppe."

Amstutz, Ed.: Über einige Grundlagen für die Eigenentwicklung von Flugzeugen in der Schweiz.
In: Flugwehr und -Technik No.3 (1958) XX. Jg, S.53-56, hier S. 55.

 

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Windkanaluntersuchung am Modell C 35 (1935)

Da man sich in der Flugwaffe nicht einig war über die an ein Militärflugzeug zu stellenden Anforderungen (Jagd-, oder Kampfbomber, Abfangjäger, Mehrzweckflugzeug), fehlten die klaren Vorgaben für eine Eigenentwicklung. Mit der Beschaffung der neuen Generation von Jagdflugzeugen des Typs "Hunter Mk 6" platzten die Träume der Ingenieure von einer Eigenkonstruktion endgültig. Im IfA wurden die für die Industrie notwendigen Windkanaluntersuchungen für die Flugzeugmuster SB-2, N-20, P-16, P-3, Porter PC-6 und Lear-Jet durchgeführt.

Vgl. Fritz Dubs, Nekrolog Jakob Ackeret. In: Schweizer Ingenieur und Architekt 30-31 (1981) S.679-680.

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Redaktion: Dr. Rudolf Mumenthaler
Letzte Änderung: 9. Januar 2001