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Jakob Ackeret (1898–1981)

Ackerets Reise nach Italien im Jahre 1935...

Ackeret bewegte sich in einem Wissenschaftsgebiet, das fast zwangsläufig die Militärs interessieren musste. Diese Interessen vermochte er für seine Zwecke einzusetzen, wie sich bei der Gründung des Instituts für Aerodynamik und dem Bau der Windkanäle gezeigt hat. Gegenüber Kontakten mit Vertretern autoritärer Regimes hatte Ackeret offenbar keine Bedenken. So freute er sich 1935 über den Nachbau seines Überschallwindkanals in der italienischen Forschungsstadt Guidonia.

Ackerets Freude ist umso verständlicher, als die BBC im Gegenzug seinem Institut Laborausrüstung im Wert von 14'000 Fr. gratis lieferte.

godonia

Gebäude mit Überschallkanal in Guidonia

... nach Göttingen 1941...

1941 erhielt Ackeret dann eine Einladung seiner ehemaligen Kollegen in Göttingen zu einer Fachtagung in der Aerodynamischen Versuchsanstalt. Zu dem auf den 15. und 16. September geplanten Treffen waren zudem Ackerets Mitarbeiter Dätwyler und de Haller, sowie Dr. Seipel von der BBC und Dr. Keller als Vertreter der Escher Wyss AG eingeladen.

In einem Schreiben an Schulratspräsident A. Rohn erläuterte Ackeret die Beweggründe für die Reise:

Hochgeehrter Herr Präsident,

Mit Bezug auf die beiliegende Briefabschrift möchte ich erklärend folgendes beifügen:

1.) Seit längerer Zeit werden wir gelegentlich von deutschen Fachleuten besucht, die einzeln oder in Gruppen uns aufsuchen. Wir haben, natürlich mit den durch militärische Erwägungen gebotenen Einschränkungen, keinen Anlass gehabt, diese Besuche anders zu behandeln als irgendwelche andere.

Ich habe nun einigemale betont, dass es für uns interessant wäre, wenn Gegenrecht gehalten und auch uns Einblick in deutsche Laboratorien gegeben werden könnte. Es ist erfreulich, dass dies möglich geworden ist und ich betrachte es als für uns äusserst nützlich, wenn von der Einladung Gebrauch gemacht wird.

2.) In beiden Ländern sind, wie aus Besprechungen hervorging, Untersuchungen im Gange, die sehr ähnliche Ziele und Methoden verfolgen. Da unsere Arbeitskräfte sehr viel weniger zahlreich, zudem durch Militärdienst oftmals aufgehalten sind, müssen wir sehr darauf bedacht sein, Umwege zu vermeiden und die Erfolge anderer zu verwerten. [Anmerkung: Eine Rücksprache mit Hrn. Oberst Lang ergibt, dass auch die K.T.A. eine solche Information begrüssen würde.] Die angeregte kurze Aussprache über wichtige Fragen der experimentellen Methodik und der Theorie dürfte deshalb nützlich sein.

3.) Deutsche amtliche Stellen tragen sich mit dem Gedanken eine, ev. zwei Überschall-Versuchsanlagen Typ Zürich bei B.B.C. zu bestellen, das Material zu liefern und die Arbeit in Baden ausführen zu lassen. Aus diesem Grunde wurde vorgeschlagen, dass auch ein Spezialist von B.B.C. mitkommen sollte, aus ähnlichen Gründen wird auch Dr. Keller eingeladen.

4.) Selbstverständlich ist die ganze Veranstaltung als technisch-wissenschaftliche Informationsreise aufzufassen, es finden also keinerlei Begrüssungen statt, deutscherseits sollen nur einige jüngere Spezialisten teilnehmen.

Ich würde es begrüssen, wenn Sie Ihre Ansicht zu diesem geplanten Besuch mir bald mitteilen könnten, da nur knappe Zeit zur Verfügung steht um die Visa einzuholen. Ich bin ab Montag den 1. Sept. wieder in Zürich.

Mit vorzüglicher Hochachtung
J. Ackeret"
Schulratsakten 1941, No.3005/221.0

Nach der Reise lieferte Ackeret einen kurzen Bericht ab:
 
"Der Aufenthalt in Göttingen dauerte 2 1/2 Tage und es wurden sowohl Vorträge gehalten als auch zahlreiche Besichtigungen vorgenommen. Ausser den Göttinger Herren, insbesondere Prof. Prandtl und Prof. Betz, waren Herren des Reichsluftministeriums und der deutschen Versuchsanstalt Adlershof zugegen und zwar nur Leute, die direkt mit den speziellen Fragen zu tun haben. Es darf gesagt werden, dass deutscherseits ein sehr reichhaltiges Material mit grosser Offenheit vorgebracht wurde, beispielsweise ausgedehnte Versuchsserien mit Artillerie- und Infanteriegeschossen und neuartigen Flugzeugtypen. Das Material, das wir vorbrachten, bestand zum grössten Teil aus Ergebnissen, die z.Zt. zur Veröffentlichung vorbereitet werden, bezw. vor kurzem in Basel vorgetragen wurden. Im ganzen genommen dürfen wir mit Genugtuung sagen, dass unsere Arbeit sehr geschätzt wird, was auch daraus hervorgeht, dass die Bestellung von ein oder zwei Ueberschallkanälen bei BBC nunmehr sehr wahrscheinlich ist. Natürlich hat uns der riesenhaft angewachsene Betrieb, der viele hundert Angestellte beschäftigt, einen entsprechenden Eindruck gemacht; ich glaube aber auch namens meiner Mitarbeiter sagen zu können, dass wir keineswegs entmutigt worden sind. Die Aufnahme in Göttingen war in jeder Hinsicht sehr freundlich und angenehm. Von Kriegsereignissen, Bombenschäden usw. haben wir, auch auf der Reise, gar nichts bemerkt; ebensowenig wurde Politik berührt. Ich glaube, dass Besuche dieser Art auch in anderen Fällen nur nützlich sein können.

Mit vorzüglicher Hochachtung

J. Ackeret"

Schulratsakten 1941,No.3294/221.0 

... und nach Berlin 1942

Im Dezember 1942 fuhr Ackeret ein zweites Mal während des Krieges nach Deutschland, um in Berlin vor der Deutschen Akademie der Luftfahrtforschung über die Entwicklung der Gasturbine zu referieren.

Im publizierten Vortragstext nannte Ackeret keine Details über die entwickelte Dampfturbine, sondern skizzierte den Weg der technischen Lösung. Zu erfahren ist nur, dass mit der AK-Anlage ein sehr hoher Wirkungsgrad erreicht wird, der diejenigen der Dampfanlagen übertrifft. Interessant ist der veröffentlichte Kommentar Prandtls:

"Wir sind Herrn Ackeret für diese Mitteilung, die eine ganz erstaunliche Entwicklung dieser Spezialmaschine in der Schweiz uns vor Augen führt, äusserst dankbar. Es ist ja doch wohl so, dass, wenn man sich fragt, warum das alles sich gerade in der Schweiz ereignet, da wohl ein guter Teil davon auf den alten Professor Stodola zurückzuführen ist, der schon in seinem grossen Buch über Dampfturbinen, das ja von den Dampfturbinenbauern so als eine Art Bibel angesehen wird, von Anfang an immer schon auch auf die Gasturbine hingewiesen hat. Und was dann weiter die Entwicklung gefördert hat, das sind natürlich dann die eigenen Studien von Herrn Ackeret, der - vielleicht dürfen wir das auch von Göttingen als ein Plus buchen - in diese Gedankengänge noch die der flugtechnischen Aerodynamik mit hereingebracht hat. Jedenfalls dürfen wir die Schweizer Herren sehr beglückwünschen zu diesen ganz erstaunlichen grossen Fortschritten. Sehr interessant ist auch, was Sie sagten, dass man sich früher immer vor der Gasturbine gefürchtet hat, und dass jetzt alles, was man zum erstenmal richtig solid mit Anwendung aller Vorsicht und allen Wissens der Thermodynamik und der Strömungslehre angepackt hat, auf den ersten Schlag gilt."

Ackeret, Jakob. Auf dem Weg zur Gasturbine.
Sonderdruck aus Band 7B, 1943, Heft 3 der Schriften der Deutschen Akademie der Luftfahrtforschung, S.73-75.

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Redaktion: Dr. Rudolf Mumenthaler
Letzte Änderung: 9. Januar 2001