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Jakob Ackeret (1898–1981)

Die Gründung des Instituts für Aerodynamik

Die Gründung des Instituts und die Errichtung eines Windkanals standen in engem Zusammenhang mit den Bedürfnissen des Militärs und der Schweizer Flugindustrie. Dies zeigen deutlich die Akten zur Gründung der Studienkommission für Luftfahrt der ETH.

Jakob Ackeret hat die Gründungsphase des Instituts für Aerodynamik und insbesondere des Windkanals mehrmals selbst beschrieben. Der Bau ist im Jahresbericht von 1934 (pdf)dokumentiert.

Jakob Ackerets langjähriger Mitarbeiter Dr. Herbert Sprenger liefert noch Hintergrundinformationen zu dieser Gründungsgeschichte:

Bau Turbinen

Der Bau der Turbinen für den Windkanal des IfA
Quelle: ETH-Bibliothek (Ans 1344)

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Das neue Maschinenlaboratorium von Salvisberg im Bau, 1931
Quelle: Baujournal Salvisberg, ETH-Bibliothek

"Prof. A. Stodola war federführend um 1930 beim Umbauvorhaben Salvisberg des Maschinenlabors. PD J. Ackeret wurde eingeladen Vorschläge für ein aerodynamisches Labor zu unterbreiten. Der Überschallkanal mit geschlossenem Kreislauf wurde von Prof. Stodola abgelehnt. Obwohl Prof. Stodola's Beurteilungen stets sehr beachtet worden sind, liess auch in diesem Falle Präsident Rohn Dr. J. Ackeret zu sich kommen. Nach wenigen Augenblicken hat Präs. Rohn entschieden - weil er nicht nur ein hervorragender Bauingenieur, sondern auch Menschenkenner war: der Überschallkanal wird gebaut."

Beitrag von H. Sprenger beim Stodola-Kolloquium 1980,
beruhend auf persönlichen Mitteilung von Schulratssekretär Dr. H. Bosshardt ca. 1968.

Der Überschallwindkanal

Herzstück des neuen Instituts bildeten der Windkanal und der aufsehenerregende Überschallwindkanal. Dabei handelte es sich um den ersten in geschlossenem Kreislauf arbeitenden Überschallwindkanal der Welt, der dank der Zusammenarbeit mit BBC und Escher Wyss im neuen Maschinenlaboratorium der ETH eingerichtet werden konnte.

Der Windkanal wurde für eine Reihe grundlegender Forschungsarbeiten verwendet, welche auch im Flugwesen Bedeutung erlangten (vgl. den Jahresbericht von 1935).

windkanal

Der neue Windkanal
Quelle: ETH-Bibliothek (Ans 1343)

√úberschall

Arbeiten an der Versuchsstrecke des Überschallwindkanals
Quelle: Archiv des Photographischen Instituts, ETH-Bibliothek (Ans 512)


Die Gruppe um Ackeret setzte die Idee erfolgreich um, den Luftkreislauf in einem abgedichteten Kanal mit Unterdruck zu betreiben. Das hatte den Vorteil vergleichsweise geringer Antriebsleistung und konstanter Messzeiten gegenüber dem früher üblichen Expansionsprinzip. Eine moderne Schlierenoptik ermöglichte die visuelle Beobachtung der Strömungsphänomene im Überschall. Angetrieben wurde die Luftströmung durch einen der ersten Axialkompressoren der Welt, gebaut von BBC.

Die Strömungsphänomene um Tragflügelprofile wurde in einer der ersten Arbeiten von Ackeret, Feldmann und Rott über "Die wechselseitige Wirkung von Stosswellen und der wandnahen Reibungsschicht" erstmals genauer untersucht. Die Arbeiten trugen dazu bei, die Probleme des Fluges mit hoher Geschwindigkeit besser zu verstehen und die Profile von Flugzeugen (zivil und militärisch) im Sinne von Tragflügeln entsprechend auszulegen. Der Windkanal diente auch der Entwicklung eines schweizerischen militärischen Strahlflugzeugs, die Ende der Vierzigerjahre begonnen wurde.

Schiffschraube

Modell einer Schiffsschraube
Quelle: Archiv der ETHZ, SR3 1935/101

Der Kanal erregte in der Fachwelt berechtigtes Aufsehen. Wie ein ehemaliger Doktorand am Institut berichtet, waren es die vielen ausländischen Besucher, die ihn ahnen liessen, von welcher Bedeutung der Überschallwindkanal war.

Alfred Gerber: Aus der Zusammenarbeit des Institutes für Aerodynamik mit der privaten Rüstungsindustrie. In: ZAMP IXb (1958) S.37-46.

Nachgebaut wurde die Anlage wenig später in Italien, 15 Jahre später hielt der Überschallkanal Einzug in den USA - und heute ist er aus der Luftfahrtentwicklung nicht mehr wegzudenken. Er diente nicht nur zu Messungen an Flugzeugmodellen, sondern war von Anfang an für Untersuchungen auf den Gebieten der Ballistik sowie des Dampf- und Gasturbinenbaus geplant. Ackeret hat über das Institut ausführlich in der Schweizerischen Bauzeitung 111, No.7/8, S.73ff. und in den Mitteilungen aus dem Institut für Aerodynamik an der ETH No.8 (1943) berichtet. Ackeret vermochte junge Ingenieure für seine Ideen zu gewinnen und schuf einen Kreis bewährter und motivierter Mitarbeiter, mit dessen Hilfe er seine Projekte verwirklichen konnte.

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Redaktion: Dr. Rudolf Mumenthaler
Letzte Änderung: 9. Januar 2001