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Jakob Ackeret (1898–1981)

Studienkommission für Luftfahrt der ETH

Dieser kleine Exkurs aus dem Schulratsarchiv zeigt, dass einerseits die militärischen Interessen bei der Schaffung des Instituts für Aerodynamik mit seinem Windkanal eine entscheidende Rolle spielte, dass aber andererseits die Unterstützung durch die Industrie zu wünschen übrig liess.

Als wichtige Schnittstelle zwischen Industrie, Forschung und Militär wurde die wissenschaftliche Kommission für das Flugwesen 1929 vom damaligen Präsidenten des Schweizerischen Schulrates, Prof. Rohn, ins Leben gerufen. Schon am 1928 waren sich Vertreter der ETH, der Kriegstechnischen Abteilung, des Militärflugwesens und des Luftamtes einig geworden, dass in der Schweiz eine Versuchsanstalt für Flugwesen geschaffen werden sollte. Man kam überein, dass dafür eine unabhängige Prüfungsstelle nötig sei.

Der Schulrat stellte anschliessend den Antrag, an der ETH eine solche Versuchsanstalt einzurichten. Im Juni 1928 wurde dieser Antrag an einer vom Schulratspräsidenten einberufenen Sitzung behandelt. Zwar wurde der Einführung eines Jahreskurses für Flugingenieure und eines Fortbildungskurses für Zivilpiloten an der ETH zugestimmt. Doch der Hauptantrag wurde zurückgestellt, weil das Interesse der Industrie fehlte. Nicht an der Sitzung teilgenommen hatten die Flugzeugfabriken Dornier AG und Comte sowie die Luftverkehrsunternehmungen Balair und Ad Astra. Von den anwesenden Firmen sprachen sich nur die Lokomotivfabrik Winterthur und von Roll für die Dringlichkeit einer solchen Versuchsanstalt aus, der Vertreter der Gebrüder Sulzer war dagegen. In einem Bericht über die Sitzung heisst es:

"Als dringlichst wurde die Schaffung einer Nachprüfstelle für statische Flugzeugberechnungen zu Handen der E.T.H. vorgemerkt; im übrigen wurde seitens des Präsidenten zugesagt, für eine kleine Erweiterung der Materialprüfungsanstalt (zwecks Anpassung an Spezialbedürfnisse der Flugzeugprüfung) zu sorgen und die Schaffung eines Windkanals anlässlich der Erweiterung des Maschinenlaboratoriums ins Auge zu fassen."

Schulratsakten (SR-3) 1932, Selbst. Add. 10/322

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Flugzeugmodell C 36
Quelle: Archiv der ETHZ, SR3 1936/101

  Geschoss

Geschossmodell in der Überschallanlage
Quelle: Archiv der ETHZ, SR3 1936/101

Aus der Sicht des Militärs war die Vertiefung der Ausbildung von Offizieren der Luftwaffe u.a. im Fach Aerodynamik und im Bereich der Ballistik erwünscht. Der Geniechef Prof. Curti betonte die Wichtigkeit der wissenschaftlichen Behandlung der Aerodynamik an der ETH und die Ausbildung von Flugingenieuren für die schweizerische Milizarmee. Er legt der Militärwissenschaftlichen Abteilung nahe, sich für die Einführung einer ausserordentlichen Professur für Hydro- und Aerodynamik einzusetzen.

Prof. Curti, Militärwissenschaftliche Abteilung der ETH an Rohn, 23.7.1929. Schulratsakten 1932, Nr. 1298/322. Vgl. auch Schreiben des Geniechefs der 6.Division vom 22.7.1929 an Prof. Curti Memorandum von Prof. Karner und Prof. Ackeret betreffend "Die Schaffung eines statischen, dynamischen Laboratoriums für Flugwesen an der E.T.H.", das Ackeret am 21. Januar 1930 dem Präsidenten des Schulrates zustellte. Schulratsakten 1932, selbst. Add. 5 und 6/322.


Der Schulrat berief auf den 31. März 1930 eine Sitzung mit Vertretern des Bundes (Eisenbahndepartement - Luftamt und Militärdepartement) ein, an dem die Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Aviatik besprochen werden sollte. Teilnehmer: Schulratspräsident Rohn, Major Ackermann, Ingenieur Burckhard, Oberst Fierz und Oberstlt. Lang als Vertreter des Eidg. Militärdepartements, Luftamtsdirektor Isler, Ingenieur Gsell als Vertrter des Eidg. Post- und Eisenbahndepartements sowie als Vertreter des Jahreskurses für Flugingenieure an der ETH Prof. Karner (Leiter des Jahreskurses), Prof. Ros (Direktor EMPA) und Privatdozent Ackeret. Die Diskussion drehte sich um die Frage, was die ETH in diesem Bereich leisten kann und soll. Ackeret erläuterte die Aufgaben im Bereich der Aerodynamik:

"Zum aerodynamischen Institut des neuen Maschinenlaboratoriums der E.T.H. gehört in erster Linie ein Windkanal. Es kann sich heute selbstredend nicht darum handeln, einen solchen herzustellen, der Flugzeuge in Normalgrösse aufnehmen könnte, wie das gegenwärtig in den Grosstaaten angestrebt wird. Immerhin muss der Gebläsetunnel so gross angelegt werden, dass an Hand von Versuchen Fragen der Sicherheit und Stabilität (Längsstabilität, Ruderwirkungen, Trudelsicherheit, Druckverteilung u. dergl.) zuverlässig beantwortet werden können. Damit kann die E.T.H. auch der Industrie und den Kontrollbehörden dienen. Es ist ferner eine Anlage für sehr hohe Luftgeschwindigkeiten vorgesehen. Auf Grund der projektierten Einrichtungen wird die E.T.H. auch in der Lage sein, unter anderem wichtige Fragen der Ballistik experimentell zu prüfen. In dieser Hinsicht kann die E.T.H. vor dem Ausland einen Vorsprung gewinnen."

Im Frühjahr 1930 bewilligten die Eidg. Räte die Erweiterung des Maschinenlaboratoriums, in dem ein aerodynamisches Laboratorium vorgesehen war. Allerdings beschwerte sich zur gleichen Zeit das eidg. Luftamt über mangelnde Kooperationsbereitschaft der Industrie:

"Nachdem die Schaffung einer Versuchsanstalt für Luftfahrt, nicht zuletzt infolge des Nichterscheinens der Industrievertreter an der orientierenden Sitzung in der E.T.H., vertagt worden ist, sind wir z. Zt. mit dem eidg. Schulrate in Verhandlung, um eine Prüfungsinstanz im Anschluss an die Dozenturen und den geplanten Ausbau der Laboratorien der E.T.H. zu schaffen."

Schulratsakten 1932, Nr. 1109/322


In der Folge reichte im Januar 1931 der Schulrat beim Eidg. Departement des Innern einen Bericht über die "Arbeitskoordination auf dem Gebiete des Flugwesens" ein, in dem die Errichtung einer wissenschaftlichen Kommission für Flugwesen an der E.T.H. vorgeschlagen wurde. In der anschliessenden Vernehmlassung in den zuständigen Departementen wurde der Vorschlag einhellig begrüsst, wobei man sich über die genauen Aufgaben noch nicht ganz einig war. Als Präsident der W.K.F. wurde im April 1931 Dr. Jakob Ackeret vorgesehen, unter der Voraussetzung, dass ihm die am 27. März 1931 eingeführte ausserordentliche Professur für Aerodynamik vom Bundesrat übertragen wurde. Zusätzlich war eine Assistenzstelle geplant, die v.a. den Professoren Ackeret und Karner zur Verfügung stehen sollte. Für externe Aufträge erliess man eine Gebührenordnung. Um die Flugvorschriften für Zivil- und Militärflugzeuge zu erlassen, sollte eine temporäre Kommission gebildet werden, der u.a. die Mitglieder der WKF angehören sollten.

Schulratsakten 1932, Nr. 2242/322; Schulratsakten 1932, Nr.1334/322


Parallel dazu beschloss der Schulrat, Studierende des Jahreskurses für Flugingenieure durch die Zürcher Sektion des Aero Club der Schweiz ausbilden zu lassen. Sechs angemeldete Flugschüler kamen so 1933 in den Genuss einer Ausbildung am Doppelsteuer. (Vgl. Jahresbericht von Ackeret in der mittleren Vitrine).

Durch Bundesratsbeschluss vom 23. Februar 1934 wurde die Studienkommission für Luftfahrt an der E.T.H. (SKL) offiziell gegründet. Als Zweck wurde bestimmt: Die SKL bezweckt die Förderung des Flugwesens in der Schweiz sowie die Zusammenfassung und Koordination der von verschiedenen eidg. Amtsstellen auf dem Gebiete des Flugwesens zu leistenden Arbeiten. Die Kommission stand unter der Aufsicht des Bundesrates.

Aufgaben der SKL:

  • Beratung eidgenössischer Instanzen in Fragen technisch-wissenschaftlicher Natur, insbesondere auch bei Neukonstruktionen und bei Flugunfällen.
  • Begutachtung im Auftrage Dritter von Berechnungen und Behandlung von wissenschaftlichen Problemen, soweit es sich um solche grundsätzlicher Natur handelt.
  • Leitung wichtiger Versuche im Auftrage Dritter.
  • Begutachtung technischer und wissenschaftlicher Probleme, die von seiten der Privatwirtschaft gestellt werden.
  • Ausarbeitung von Vorschriften für den Bau und die Prüfung von Flugzeugen.
  • Forschungsarbeiten in eigenem Auftrag.

Als Mitglieder wurden nebst J. Ackeret als Präsident in die Kommission berufen: Dr. G. Eichelberg, Prof. für Maschinenbau; Dr. L. Karner, Prof. für Flugzeugstatik und Flugzeugbau; Dr. M. Ros, Direktor der EMPA (als Vertreter der ETH), Oberst Fierz, Chef der Kriegstechnischen Abteilung; Major i.Gst. Ackermann, Instruktionsoffizier der Fliegertruppe (als Vertreter des EMD), Robert Gsell, Sektionschef des eidg. Luftamtes und Ed. Amstutz, Kontrollingenieur des eidg. Luftamtes (für das Eisenbahndepartement).

Schulratsakten 1934, No.813/322.

Der Jahresbericht von 1936 belegt, dass die SKL ihre Tätigkeit erfolgreich aufnahm und ihren Zielsetzungen entsprechend aktiv wurde. Die Untersuchungen im Institut für Aerodynamik flossen jeweils auch in den Jahresbericht der SKL ein. Verschiedene Forschungsaufträge wurden durch die SKL finanziert, was natürlich den Möglichkeiten des IfA zugute kam.

 

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Redaktion: Dr. Rudolf Mumenthaler
Letzte Änderung: 9. Januar 2001