Index | Impressum | Verantwortlich | Webmaster | ©2005 ETH-Bibliothek

Höfflichkeit und Bergkgeschrey, Georgius Agricola 1494-1555

Die Ausstellung zum 450. Todestag von Georgius Agricola ehrt den vielseitigen Renaissance-Gelehrten als Begründer der Montanwissenschaft und Vater der modernen Mineralogie und Geologie. Agricola verhalf dem Bergbau zu einem seiner wirtschaftlichen Bedeutung angemessenen Ansehen und stellte ihn erstmals auf eine wissenschaftliche Grundlage.

Anhand von Originalwerken aus dem Bestand der ETH-Bibliothek sowie einer Fülle von weiteren Exponaten aus Museen und Archiven im In- und Ausland präsentiert die Ausstellung einmal die Entstehung und Rezeptionsgeschichte von Agricolas Hauptwerk De re metallica. Daneben nimmt auch die Entwicklung der Bergbautechnik seit Agricolas Zeiten einen breiten Raum ein.

Agricolas Heimat und Wirkungsstätte ist das Erzgebirge. Diese Grenzregion zwischen Böhmen und Sachsen mit ihren zahlreichen Bergwerken und Erzlagerstätten gilt seit Jahrhunderten als "Schatztruhe Europas". Bereits 1168 lösten reiche Silberfunde im Raum Freiberg ein erstes "Bergkgeschrey" aus. Die Ergiebigkeit und der Reichtum der Erzgänge, in der alten Bergmannssprache "Höfflichkeit" genannt, liessen diesen "Silberrausch" über mehrere Jahrhunderte andauern. Mitte des 15. Jahrhunderts kam es im Zuge neuer Silberfunde zum zweiten oder "Grossen Bergkgeschrey". Zu den aufstrebenden Bergbaustädten gehörte damals auch das böhmische Joachimsthal, wo Agricola eine Zeit lang als Stadtarzt und Apotheker wirkte. Für das Studium der Montanistik hätte sich Agricola kaum einen geeigneteren Ort wählen können. Hier hatte er die Möglichkeit, sich neben seiner Amtstätigkeit mit fachkundigen Bergleuten über den Bergbau auszutauschen und die aus eigener Erfahrung gewonnenen Erkenntnisse den Beschreibungen der antiken und mittelalterlichen Autoren gegenüberzustellen.

Die mineralogischen, geologischen und bergbaukundlichen Schriften, die Agricola im Laufe seines Lebens veröffentlichte, kulminieren in seinem 1556 postum erschienen Hauptwerk De re metallica - zu deutsch Vom Berg- und Hüttenwesen. Diese umfassende und systematische Darstellung des Bergbauwesens jener Zeit steht am Anfang der Geschichte der Montanwissenschaften und blieb lange Zeit ein unerreichtes Standardwerk. Der ohnehin schon ausführliche Text wird mit einer Fülle von Holzschnitten erläutert, die als Meisterwerke der technischen Buchillustration gelten.