Bergbau gestern und heute
Mit seinem Werk De re metallica hat Agricola ein unübertroffenes Bild der Bergbaukunst im 16. Jahrhundert geschaffen. Natürlich haben sich die Abbau- und Verarbeitungsmethoden seither verändert und weiterentwickelt, und die meisten Arbeitsschritte sind heutzutage mechanisiert. Andererseits haben erstaunlich viele der bei Agricola dargestellten Arbeitsgeräte und technischen Einrichtungen ihre Form und Funktionalität teilweise bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts beibehalten. Wie die Bergleute des Silberbergbaus zu Agricolas Zeiten, so nutzten auch die Arbeiter des Uranbergbaus im Erzgebirge nach dem Zweiten Weltkrieg noch Schlägel und Eisen, Hacke und Schaufel.
Eine interessante Entwicklung machte die Streckenförderung mit vierrädrigen spurgeführten Holzwagen ("Hunden" oder "Hunten") auf hölzernen Schienen durch. Sie brachte damals dem horizontalen Verkehr unter Tage einen bedeutenden Fortschritt und wurde noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast unverändert praktiziert. Gleichzeitig schuf diese Technik die theoretischen und praktischen Voraussetzungen für die Entwicklung des oberirdischen Schienenverkehrs. Von den Grubentransporten der Agricola-Zeit führt eine direkte Entwicklungslinie zur modernen Eisenbahn, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts als englische Erfindung nach Kontinentaleuropa zurückkehrte.













