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Zur Eisenbahngeschichte der Schweiz in den ersten 50 Jahren des Bundesstaates

Seite 3

Vorgeschichte

Die Passstrasse über den Gotthard

Die Konkurrenz anderer fahrbar gemachten Alpenstrassen legte die Notwendigkeit immer klarer dar, auch den Saumweg über den Gotthard in eine fahrbare Strasse umzubauen. Vorerst wurde von Uri 1820-1824 die Strecke von Amsteg bis Göschenen durch Cirillo Jauch von Bellinzona umgebaut. Das genügte aber nicht, dem Zerfalle des Transithandels über den Gotthard vorzubeugen, und so schlossen die Stände Luzern, Uri, Basel, Solothurn und Tessin 1826 ein Konkordat ab, nach welchem jeder dieser Kantone die auf seinem Gebiete liegenden und zum Gotthard führenden Wege in fahrbare Strassen umzuwandeln und als solche zu unterhalten hatte. So entstand 1827-1830 nach den Plänen des Tessiners Meschini durch die Ing. Colombara von Ligornetto und Karl Emanuel Müller von Altdorf die berühmte Kunststrasse über den Gotthard. Von 1831 an beförderte man die Güter und Personen auf der Achse und fügte 1835 dem bisherigen zweimaligen einen dritten Kurs bei. 1842 führten die Stände Luzern, Zürich, Basel, Uri, Tessin und Aargau einen täglichen Eilwagendienst ein; 1849 wurde ein Doppelkurs nötig, welcher bis zur Eröffnung der Gotthardbahn bestanden hat. 1850 ging der Postdienst über den Gotthard an den Bund über, der ihn 32 Jahre lang bewältigte.

Quelle: Histor. Biograph. Lexikon d. Schweiz

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Erste Eisenbahnstrecken der Schweiz

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Schweizerische Nordostbahn, Brücke Wetzikon

Das erste Teilstück einer Eisenbahn auf Schweizerboden war die am 15. VI. 1844 als Schlussstück der Linie Strassburg-Basel eröffnete Strecke Basel St.Johann-St. Ludwig (St. Louis). Die erste schweizerische Strecke war dann die 1847 eröffnete Linie Zürich-Baden ("Spanisch-Brötli-Bahn"). Projekte wurden allerdings schon viel früher, so 1836 von dem St. Galler Landammann Baumgartner und später von dem Graubündner Lanica (auch La Nicca) aufgestellt. Graubünden arbeitete 1839 den Plan eines bündnerischen Eisenbahnnetzes aus und schloss sogar mit den Kantonen St. Gallen und Tessin und mit Sardinien Verträge über die Konzessionserteilungen für eine Lukmanierbahn. Ende der 40-er Jahre wurden in der ganzen Schweiz zahlreiche Projekte diskutiert.

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Linienführung und Varianten

Als geologische Grundlage für den Bau diente die noch hypothetische "Geognostische Karte des Sant Gotthard" von K. von Fritsch. Der am Bau beteiligte Geologe F.-M. Stapff erstellte dann aufgrund von Beobachtung und Vermessung das Längsprofil des Gotthard. Die Stammstrecke Immensee-Chiasso misst 205,63 km. Davon liegen 45 % in Kurven (kleinster Radius 280 m). Nur 18 % der Gotthardbahn verlaufen horizontal. Die Gotthardbahn wurde zwar zweigleisig dimensioniert, aus Finanzgründen aber zunächst nur einspurig und ohne die 1897 eröffneten direkten Zufahrten Zug-Arth Goldau und Luzern-Immensee angelegt. Der Doppelspurbetrieb begann am 1.6.1883 im grossen Tunnel und wurde etappenweise ausgedenht, bis am 2.4.1965 der Damm von Melide (Luganersee) doppelspurig befahrbar wurde.

Quelle: Schweizer Lexikon, 1991-93.

"Hinter der Station Gurtnellen, in der Nähe der Pfaffensprungschlucht, kommt die Bahn der ansteigenden Thalsohle so nahe, dass sie mittelst eines 1460 M. langen Kehrtunnels gehoben werden musste. Mit der sich anschliessenden offenen Strecke von 654 M. Länge und 26 °/oo Steigung hat die Entwicklung eine Gesammtlänge von 2114 M., wodurch eine Höhe von 51 M. gewonnen wurde.Am Ende der Kehrstrecke befindet sich die Bahn nahezu 60 M. über der Thalsohle und steigt nunmehr mit 25°/oo gegen Wasen an. Das Terrain bei Wasen wird abermals zur Längenentwicklung behufs Höhengewinnung benutzt da sie bei Wattingen die Thalsohle (Gefälle 45 °/oo) wieder nahezu erreicht und jetzt 13 M. über der Reuss liegt."
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Karte mit den diskutierten Varianten für die Alpentransversale

Quelle: Wanner, Rückblick auf d. Entstehung und den Bau ..., Luzern 1882.


dampflokpictogramm

Der erste Techniker, der den Bau einer Alpenbahn und zwar über den Lukmanier anregte, war Oberst La Nicca in Chur. Für den Bau dieser Linie bildete sich in Turin im Jahre 1845 eine Gesellschaft, allein ihr Vorgehen erfreute sich keines günstigen Erfolges. An Stelle dieser ersten Gesellschaft trat eine andere (1853), welche sich zur Aufgabe gesetzt hatte, zunächst die Linien Rorschach-Chur-Wesen-Rappersweil auszuführen und dann Hand an den Lukmanier zu legen. Die erwähnten Strecken wurden im Jahre 1862 vollendet, der angestrebte Alpenübergang aber verblieb im Stadium der Untersuchung und kam nicht zu Stande. Mit Sardinien und Preussen fanden um 1850 Verhandlungen statt über die Ausführung einer Alpenbahn.

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