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Zur Eisenbahngeschichte der Schweiz in den ersten 50 Jahren des Bundesstaates

Seite 5

Entstehung der Gotthardbahn

Die Entstehung der Gotthardbahn geht auf 1845 zurück, in welchem Jahre vom damaligen Königreich Sardinien mit den Ktn. St. Gallen, Graubünden und Tessin ein Vertrag zwecks einer Eisenbahnverbindung über den Lukmanier nach den süddeutschen Bahnen hin abgeschlossen worden war. Preussen und Baden interessierten sich für Grimsel und Albrun, andere für den Simplon. Die sog. Gotthardvereinigung, das 1863 gebildete Konsortium der sog. Gotthardkantone und der Zentral- und Nordostbahn, befürwortete die Gotthardlinie. Als sich dann 1866 auch Italien für die Gotthardbahn im Sinne der Durchbohrung des Gotthards aussprach, und 1869 der Norddeutsche Bund und Baden diesem Projekte zustimmten, kam am 15. X. 1869 das Gotthardübereinkommen zwischen der Schweiz, Italien und dem Norddeutschen Bund, an dessen Stelle 1871 das Deutsche Reich trat, zustande.

portal

Entwurf des Nordportals

Baugerüst
Montiergerüst für mittlere Meyenreussbrücke bei Wassen
(Negativ)

Die unterzeichneten Staaten verpflichteten sich zur Leistung einer Subvention von 85 Millionen Franken; 45 Millionen fielen auf Italien, je 20 auf Deutschland und die Schweiz. 1871 übertrug die Gotthardvereinigung ihre Rechte auf die von ihr ins Leben gerufene Gotthardbahngesellschaft. Präsident der Direktion war Dr. Alfred Escher von Zürich, der eifrige Vorkämpfer für den Gotthard. Die Ausführung des 14 912 m langen Tunnels wurde dem Bauunternehmer L. Favre aus Genf übertragen, der seine Arbeiten auf der Süd- und Nordseite des Gotthards begann. Finanzielle Schwierigkeiten erheischten 1877 eine neue Subvention von 40 Millionen Franken, wobei die Gesellschaft für 12 Millionen, Italien und Deutschland für je 10 Millionen und die Schweiz für 8 Millionen aufzukommen hatten.

Quelle: Histor. Biograph. Lexikon der Schweiz

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Rückkauf der Gotthardlinie

Der Rückkauf der Gotthardlinie - auf der Grundlage des Gesetzes vom 15. X. 1897 - ging nicht ohne Schwierigkeiten vor sich. Die durch den Vertrag von 1869/71 und die ergänzenden Verträge von 1878/79 mit Deutschland und Italien geschaffene Rechtslage erschwerte die Frage. Die beiden genannten Staaten bestritten der Schweiz das Rückkaufsrecht ohne ihre Einwilligung. Der Bundesrat gab ihnen 1904 und 1909 die Versicherung, dass die Schweiz zu Verhandlungen und ev. auch zum Rückkauf der Rechte der interessierten Staaten bereit sei. Am 20. IV. 1909 wurden zwei Verträge unterzeichnet: der eine zwischen der Schweiz, Deutschland und Italien (er rief einer lebhaften Opposition unter dem Volke), der andere zwischen der Schweiz und Italien. Durch diese fielen die frühern Verträge ausser Kraft. Die Gotthardlinie ging am 1. V. 1909 in den Besitz des Bundes über. Nach dem Weltkrieg regelten zwei neue Verträge zwischen der Schweiz und Italien (1918 und 1923) den internationalen Verkehr durch den St. Gotthard.

Quelle: Histor. Biograph. Lexikon der Schweiz

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