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Der Prozess

Chronologie

21. Februar 1632. Der Druck des Dialogs über die beiden hauptsächlichsten Weltsysteme, das ptolemäische und das kopernikanische ist abgeschlossen.

25. Juli 1632. Pater Riccardi schreibt dem Inquisitor von Florenz, er solle die Verbreitung des Dialogs verhindern.

23. September 1632. Der Papst befiehlt Galilei, er solle sich innerhalb des Oktobers in Rom einfinden.

17. Dezember 1632. Galilei erhält eine Bescheinigung, unterschrieben von drei Ärzten, dass er sich "wegen offensichtlich drohender Lebensgefahr" nicht auf die Reise begeben könne.

Prozess
Der Prozess

30. Dezember 1632. Der Papst droht Galilei, falls er sich nicht unverzüglich nach Rom begebe, werde er ihn von einem Kommissar, begleitet von Ärzten, abholen und wenn nötig in Ketten ins Gefängnis der Heiligen Uffizien bringen lassen.

20. Januar 1633. Galilei macht sich endlich auf die Reise und kommt am Abend des 13. Februars - nach einer Quarantäne wegen der wütenden Pest - in Rom an. Es wird ihm erlaubt, sich in der Botschaft der Toskana anstatt in den Kerkern der Heiligen Uffizien aufzuhalten.

12. April 1633. Er stellt sich den Heiligen Uffizien und wird zum ersten Mal verhört.

30. April 1633. Er gesteht die sogenannten "Fehler" und erklärt sich bereit, dem Dialog zwei weitere Tage anzufügen (dazu wird es allerdings nie kommen), in denen er die kopernikanische Lehre widerlegt.

21. Juni 1633. Erneut stellt er sich den Behörden der Heiligen Uffizien und wird verhört. Diesmal wird er festgehalten.

22. Juni 1633. Er wird in den grossen Saal der Dominikanerkirche Santa Maria sopra Minerva geführt, wo ihm das formelle Urteil (Kerkerhaft und Verbot des Dialogs) vorgetragen wird. Daraufhin schwört Galilei ab.

30. Juni 1633. Der Papst erlaubt Galilei sich in das Erzbistum Siena zu begeben.

1. Dezember 1633. Der Papst gewährt Galilei lebenslänglichen Hausarrest in Galileis eigenem Landhaus in Arcetri bei Florenz.

  Galileo
Der siebzigjährige Galilei, gemalt von Sustermans. Dieser Maler aus Antwerpen wirkte am Hof der Medici und vollendete das Porträt Galileis im Jahr 1635. Es ist in den Uffizien in Florenz ausgestellt.  
Text der Abschwörung, die Galilei am 22. Juni 1633 im grossen Saal des Dominikanerklosters von Santa Maria sopra Minerva aussprach.

«Ich, Galileo Galilei, Sohn des verstorbenen Vincenzio Galilei aus Florenz, siebenzig Jahre alt, persönlich vor Gericht gestellt und knieend vor Eueren Eminenzen, den Hochwürdigsten Herren Kardinälen General-Inquisitoren gegen die ketzerische Bosheit in der ganzen christlichen Welt, vor meinen Augen habend die hochheiligen Evangelien, die ich mit meinen Händen berühre, schwöre, dass ich immer geglaubt habe, jetzt glaube und mit Gottes Hülfe in Zukunft glauben werde alles, was die heilige katholische und apostolische Römische Kirche für wahr hält, predigt und lehrt. Da ich aber, - nachdem mir von diesem heiligen Officium der gerichtliche Befehl verkündet worden, ich müsse die falsche Meinung, dass die Sonne der Mittelpunkt der Welt und unbeweglich und die Erde nicht der Mittelpunkt sei und sich bewege, ganz aufgegeben und dürfe diese falsche Lehre nicht für wahr halten, verteidigen, noch in irgend welcher Weise lehren, weder mündlich noch schriftlich, und nachdem mir eröffnet worden, dass diese Lehre der heiligen Schrift widerspreche, - ein Buch geschrieben und in Druck gegeben, in welchem ich die nämliche bereits verdammte Lehre erörtere und mit vieler Bestimmtheit Gründe für dieselbe anführe, ohne eine Widerlegung derselben beizufügen, - und da ich mich dadurch diesem heiligen Officium der Ketzerei stark verdächtig gemacht habe, nämlich (verdächtig) für wahr gehalten und geglaubt zu haben, dass die Sonne der Mittelpunkt der Welt und unbeweglich und die Erde nicht der Mittelpunkt sei und sich bewege: - darum, da ich wüsche, Euren Eminenzen und jedem Christgläubigen diesen gegen mich mit Recht gefassten Verdacht zu benehmen, schwöre ich ab, verfluche und verwünsche ich mit aufrichtigem Herzen und ungeheucheltem Glauben besagte Irrtümer und Ketzereien und überhaupt allen und jeden anderen der besagten heiligen Kirche widersprechenden Irrtum und Sektiererglauben. Und ich schwöre, dass ich in Zukunft niemals mehr etwas sagen oder mündlich oder schriftlich behaupten will, woraus man einen ähnlichen Verdacht gegen mich schöpfen könnte, und dass ich, wenn ich irgend einen Ketzer oder der Ketzerei Verdächtigen kennenlerne, denselben diesem heiligen Officium oder dem Inquisitor und Ordinarius des Ortes, wo ich mich befinde, denuncieren will.

Ich schwöre auch und verspreche, alle Bussen pünktlich zu erfüllen und zu beobachten, welche mir von diesem heiligen Officium sind aufgelegt worden oder werden aufgelegt werden. Und sollte ich, was Gott verhüten wolle, irgend einer meiner besagten Versprechungen, Beteuerungen oder Schwüre zuwiderhandeln, so unterwerfe ich mich allen Strafen und Züchtigungen, welche durch die heiligen Canones und andere allgemeine und besondere Konstitutionen gegen solche, die sich in solcher Weise vergehen, festgesetzt und promulgiert worden sind. So wahr mir Gott helfe und diese seine heiligen Evangelien, die ich mit meinen Händen berühre. Ich, besagter Galileo Galilei, habe abgeschworen, geschworen und versprochen und mich verpflichtet wie vorstehend, und zur Beglaubigung habe ich diese Urkunde meiner Abschwörung, die ich Wort für Wort verlesen, eigenhändig unterschrieben. Rom im Kloster der Minerva am 22. Juni 1633. Ich, Galileo Galilei, habe abgeschworen wie vorstehend, mit eigener Hand.»
(Übersetzung von Emil Strauss, 1897)

12. November 1633: Der päpstliche Nuntius gibt in Luzern die Verurteilung Galieis bekannt.

Der päpstliche Nuntius der Schweiz an Kardinal Antonio Barberini (senior) Luzern, 12. November 1633:

«Ich werde all meine Aufmerksamkeit auf diese Herren Monsignori, Bischöfe und Prälaten verwenden, die von meiner Nuntiatur abhängig sind, damit die Verurteilung und die Abiura Galileo Galileis von ihnen veröffentlicht und auch zur Kenntnis genommen wird. Dies werde ich mit ebensoviel Eifer, Frömmigkeit und Gerechtigkeit ausführen, wie sie auch die heilige Kongregation angewandt hat. Deren Zurechtweisung und Busse macht das Ausmass des Verbrechens klar und wird zweifelsohne anderen als Beispiel dienen, damit sie nicht ähnlich schwere Fehler begehen. Zum Abschluss erweise ich Ihrer Eminenz meine unterwürfigste Referenz. Ihrer Eminenz unterwürfigster, ergebenster und sehr verpflichteter Diener Ranuccio, Bischof von S. Donnino. Der hochwohlgeborene Kardinal S. Onofrio. Roma. Luzern.»

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Letzte Änderung: 16. März 1999