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Sonne und Sonnenflecken

Die Sonne und die Sonnenflecken von den Lettere Solari (1613) bis zum Dialog (1632)

Im Januar 1612 veröffentlichte der Jesuitenpater Christoph Scheiner unter dem Pseudonym "Apelles" (womit er an die antike griechische Überlieferung des Malers Apelles anspielte, der sich hinter seiner Leinwand verbarg um dem Urteil der Menge zu lauschen) drei Briefe über die Sonnenflecken, adressiert an den Magistraten Marcus Welser in Augsburg, ebenfalls ein Mitglied der Accademia dei Lincei. In diesen Briefen kündete er seine Entdeckung der Sonnenflecken an, die eine regelmässige Bewegung auf der Oberfläche des Mondes absolvierten und von denen er deshalb annahm es seien kleine Planeten, die um die Sonne kreisten. Galilei, der seit 1611 Mitglied der Accademia dei Lincei war, veröffentlichte 1613 in Rom, herausgegeben von derselben Akademie, ebenfalls seine Beobachtungen der Sonnenflecken (die Lettere solari.), die auch er in Form von Briefen an Marcus Welser adressierte.

Im Vorwort zu den Lettere solari klagt Angelo de Filiis, Sekretär der Akademie der Lincei, Scheiner an, die Entdeckung der Sonnenflecken für sich zu beanspruchen, dabei habe Galilei diese bereits vorher beobachtet und beschrieben. In diesen Briefen behauptete Galilei - im Gegensatz zur Meinung Scheiners - die Sonnenflecken seien Teil der Oberfläche der Sonne, woraus er eine Umdrehung der Sonne um die eigene Achse ableitete, und auch auf deren Vergänglichkeit hinwies, und somit bewies, dass Entstehen und Vergehen auch auf dem Planeten Sonne stattfinden konnte. Am Ersten Tag des Dialogs (I 147) nimmt Galilei das Thema der Sonnenflecken zusammen mit der Kritik an den ersten Schriften von Christoph Scheiner wieder auf und beweist, dass auch im Universum Entstehen und Vergehen stattfinden können.

Titelseite der Lettere solari

Titelseite der Lettere solari.
Helioskop aus der Rosa Ursina

Ein Helioskop aus der Rosa Ursina, von Christoph Scheiner, erfunden vom Jesuitenpater Grienberger, mit Äquatorialmontur zur Beobachtung der Sonne und ihrer Flecken.
Illustration von Attanasius Kircher

Illustration von Attanasius Kircher (1664)

Dank des Gebrauchs des Helioskopes konnten Scheiner und seine Kollegen - vor allem nach 1625 - Bilder von Sonnenflecken erhalten, die qualitativ weit über denen standen, die Galilei zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Lettere solari im 1613 zur Verfügung hatte.

In den Jahren um 1630 änderte Scheiner seine Meinung über die Natur der Sonnenflecken. Er betrachtete diese nun nicht mehr als kleine Planeten sondern als feste Bestandteile der Sonne. Seine damalige Vorstellung der Sonne ist uns durch diese Illustration, veröffentlicht im Jahr 1664 von Attanasius Kircher, überliefert. Die Illustration stützt sich auf Aussagen von Scheiner und Galilei aus dem Jahr 1635 und zeigt - allerdings nur entfernt - eine eigenartige Verwandtschaft mit modernsten Infrarotaufnahmen der Sonnenoberfläche.

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GALILEO, Lettere solari,1613. Zeichnungen von Sonnenflecken.
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SCHEINER, Rosa Ursina,1630. Umlaufbahn von Sonnenflecken.
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Letzte Änderung: 16. März 1999