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In Holland war die Reichsuniversität Leiden ein
bedeutendes Zentrum der theoretischen Physik. Ende des Neunzehnten und Anfang
des Zwanzigsten Jahrhunderts hatte Hendrik Antoon Lorentz (1853-1929) hier
gewirkt. Sein Nachfolger wurde auf Empfehlung Albert Einsteins der
Österreicher Paul Ehrenfest, den
Pauli bereits 1922 während der «Bohr-Festspiele» in
Göttingen kennengelernt hatte.
Im Jahre 1925 veröffentlichten Ehrenfests Mitarbeiter Georg
Eugen Uhlenbeck (1900-1988) und Samuel Abraham Goudsmit (1902-1978) ihre Idee
des Elektronenspins, d. h. einer anschaulich vorstellbaren Eigenrotation des
Elektrons. Diese Hypothese hatte vorher schon Ralph Kronig (1904-1995), der
später Assistent Paulis in Zürich war, aufgestellt. |

Wolfgang Pauli und Paul Ehrenfest, 1929.
CERN, Geneva |
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Manche theoretischen Physiker, so auch Pauli,
fanden diese Vorstellung nicht akzeptabel und zu anschaulich. Andererseits
entstand in dieser Zeit die sehr unanschauliche Matrizenmechanik Heisenbergs,
in der ausdrücklich auf den Begriff der Elektronenbahn im Atom verzichtet
wurde. Andererseits konnten mit Hilfe des Elektronenspins gewisse Eigenschaften
der Wasserstoffspektren befriedigend gedeutet werden. Schwierigkeiten betrafen
vor allem einen Faktor 2 zwischen errechneter und beobachteter
Dublettaufspaltung. So entspann sich eine lebhafte mündliche und
briefliche Diskussion. Bezeichnenderweise galt das Problem als gelöst,
nachdem Pauli überzeugt werden konnte. In einem Rückblick berichtete
Goudsmit 1965, dass Pauli seine kritisch-ablehnende Haltung im März 1926
aufgegeben und ihm dies auf einer Postkarte mitgeteilt hatte. Der
Elektronenspin gilt heute als eine quantenmechanische Eigenschaft mit der
Dimension eines Drehimpulses. Er ist nur zweier Werte fähig, +½ und
-½ in quantenmechanischen Einheiten. Elektronen unterliegen deshalb dem
Pauli-Prinzip. |