Unterhaltungsmathematik: ein historischer Überblick

Aufgaben der Unterhaltungsmathematik lassen sich zu allen Zeiten und in allen Kulturen finden. Schon in einem der ältesten erhaltenen mathematischen Dokumente, dem ägyptischen Papyrus Rhind, der um 1650 v.Chr. datiert wird, sowie in alten chinesischen und griechischen Texten gibt es solche Aufgaben.

Einzug der Unterhaltungsmathematik im Abendland

Die Tradition setzt sich bei den Indern und Armeniern fort und findet bei den Arabern einen Höhepunkt. Durch die Übersetzung aus dem Arabischen ins Lateinische gelangt dieses Wissen auch ins Abendland und vermischt sich mit den dort bereits vorhandenen Aufgabensammlungen für die Schulung junger Leute. In der Folgezeit begegnen uns Aufgaben der Unterhaltungsmathematik in der Klosterliteratur und in Schriften der praktischen Mathematik, in Latein wie auch in den Nationalsprachen. Die Rechenmeister greifen solche Beispiele gerne auf, um die Theorie zu erläutern und den Stoff ihrer Bücher aufzulockern.

Erste Werke der Unterhaltungsmathematik

Im 17. Jahrhundert entstehen umfangreiche Aufgabensammlungen, die vor allem auf unterhaltsame Darstellung abzielen und nicht mehr auf die Theorie eingehen. Sie umfassen oft auch Aufgaben aus anderen Bereichen wie Astronomie oder Mechanik. Das erste Buch, das explizit und ganz der Unterhaltungsmathematik gewidmet ist und eine Zusammenstellung aller zu jener Zeit bekannten mathematischen Spiele bietet, ist vermutlich "Problèmes plaisants et délectables qui se font par les nombres" von Claude Gaspard Bachet de Méziriac (Erstausgabe 1612). Es folgen in kurzer Zeit "Récréations mathématiques" von Jean Leurechon (Erstausgabe 1624) und Werke von Claude Mydorge, Denis Henrion und Daniel Schwenter. Ein wichtiges Werk für das ganze 18. Jahrhundert sind die "Récréations mathématiques et physiques" von Jacques Ozanam, die erstmals 1694 in zwei Bänden erscheinen.

Höhepunkt der Unterhaltungsmathematik

Im 19. Jahrhundert sind die Werke von Edouard Lucas und Lewis Carroll als Höhepunkte zu nennen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind neben anderen Sam Loyd, Hermann Schubert, Wilhelm Ahrens, Henry Ernest Dudeney und W.W. Rouse Ball überaus produktive Autoren auf dem Gebiet der Unterhaltungsmathematik.

Unterhaltungsmathematik in der Gegenwart

Eine neue Generation von Autoren wird von der Kolumne von Martin Gardner im "Scientific American" begeistert und inspiriert. Von 1956 bis 1986 behandelt Gardner eine beachtliche Vielfalt an Themen der Unterhaltungsmathematik und macht damit nicht nur das Werk seiner Vorgänger, sondern auch dasjenige seiner Zeitgenossen aus anderen Ländern einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Die gegenwärtige reiche Buchproduktion, die Publikation von Fachzeitschriften sowie Beiträge in vielen Zeitschriften, Zeitungen und nicht zuletzt im Internet zeugen von einem heute noch ungebrochenen Interesse an der Unterhaltungsmathematik, wobei die älteren Spiele an Attraktivität nicht verloren haben.