17:15 Kolloquium der ETH-Bibliothek

ETH Zürich / Maximilian Warhanek

Das 17:15 Kolloquium der ETH-Bibliothek bietet eine Gelegenheit für Weiterbildung, Diskussion und Netzwerkpflege. In- und ausländische Referentinnen und Referenten präsentieren Themen aus ihren Arbeitsgebieten der Informationswissenschaft, Bibliothekspraxis, des Archiv- und Museumswesens sowie angrenzender Fachgebiete. Die Formel lautet: 30 Minuten Vortrag + 30 Minuten Diskussion + anschliessender Apéro = Inspiration für den Arbeitsalltag.

Es findet jeweils dreimal pro Semester am letzten Donnerstag im Monat um 17:15 Uhr statt und richtet sich an Kolleginnen und Kollegen aus dem Bibliotheks-, Archiv-, Sammlungs- und Museumsgebiet sowie an die interessierte Öffentlichkeit.

Zur Anmeldung (Link verlässt diese Seite)

Referent:

Nicole Walger studierte Germanistik und Romanistik in Frankfurt am Main. Nach ihrer Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universitätsbibliothek Mainz folgte ein Studium der Bibliotheks- und Informationswissenschaften an der Fachhochschule Köln. 2011 wurde sie Leiterin der Bereichsbibliothek Translations-, Sprach und Kulturwissenschaft und zudem ab 2013 stellvertretende Leiterin der Abteilung E-Science-Services an der Universitätsbibliothek Mainz, wo sie auch das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Deutschland geförderte Projekt „Akademische Integrität“ initiierte. Im Oktober 2016 wechselte Nicole Walger als stellvertretende Bibliotheksdirektorin an die Universität Siegen. Hier baute sie Strukturen und Dienste zum wissenschaftlichen Publizieren und zum Forschungsdatenmanagement auf. Im November 2017 wurde sie Sprecherin der Fachgruppe „Akademische Integrität“ bei der Deutschen Gesellschaft für Information & Wissen (DGI). Seit Mai 2019 ist Nicole Walger Direktorin der Universitätsbibliothek Duisburg-Essen.

Exposé:

Im Juli 2019 veröffentlichte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den neuen Kodex «Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis». Der Kodex rekurriert auf die mit dem digitalen Wandel einhergehenden Veränderungen im wissenschaftlichen Forschungs- und Publikationsprozess sowie auf neue Strukturen in der Wissenschaft und neue Kooperationsformen. Vom Berufsethos der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ge-dacht, soll eine verbindliche Kultur wissenschaftlicher Integrität forciert werden.

Verantwortlich für die Einhaltung der guten wissenschaftlichen Praxis sind weiterhin zuvorderst die Forschenden selbst. Hochschulbibliotheken finden auch im neuen Kodex keine Erwähnung, obwohl ein grosser Teil der neuen Leitlinien gerade auch ihnen ein breites Spiel- und Arbeitsfeld bietet.

Der Vortrag zeigt auf, welche Rolle Hochschulbibliotheken beim Streben nach Wahrheit und Objektivität oder bei der Wahrung der wissenschaftlichen Berufsethik einnehmen können.

Referent:

Grazia Frontoso ist als Customer Engineer in der Google Cloud für den Support von Schweizer Unternehmenskunden aus den Bereichen Gesundheitswesen und Life Science zuständig, wenn es um digitalen Wandel und Big Data Analytics geht.

Vor ihrer Tätigkeit bei Google arbeitete sie mehrere Jahre als Software-Produktmanagerin im Risikomanagement und konzipierte Cloud-Lösungen für regulierte Branchen.

Grazia Frontoso promovierte im Fach Physik. Sie interessiert sich für die transformative Kraft von Technologien.

Exposé:

Wir leben in einer Welt, in der Daten eine immer wichtigere Rolle spielen: Daten sind das neue Gold und können für die Wirtschaft und Gesellschaft von immensem Nutzen sein. Deshalb geben Unternehmen heutzutage ein Vermögen für das Sammeln, Verwalten und Speichern von Daten aus. Doch nur wenige von ihnen verstehen es, aus den Rohdaten Erkenntnise als Handlungsgrundlage zu gewinnen.

Die Operationalisierbarkeit der Big-Data-Analytics ist der Schlüssel zu einer schnelleren Marktreife und zu Wettbewerbsvorteilen. Auch in den Bereichen Machine Learning und künstliche Intelligenz (KI) ist die Aufbereitung von Daten von erheblicher Bedeutung.

Die Cloud hat unseren Umgang mit Big Data und KI geprägt: Sie soll die Kosten bestehender Prozesse senken, Innovationen fördern und Geschäftsmodelle transformieren.

Google verfügt über jahrzehntelange Erfahrung mit Big Data und gilt im Bereich Machine Learning und KI als Marktführer. Mit der kompletten Palette massgeschneiderter Lösungen hat Google Antworten auf zahlreiche Fragestellungen für die unterschiedlichsten Branchen.

Der Vortrag bietet einen Überblick, wie man grosse Datenbestände mithilfe der Google Cloud nahtlos in aussagekräftige Erkenntnisse verwandeln kann.

Vergangene Veranstaltungen

2019

Referent:

Professor Jose de la Rosa Estava von der spanischen Universität Girona (UdG) ist von 2019 bis 2020 als Gastprofessor an der ETH Zürich. Darüber hinaus leitet er das TECNIO Easy Centre für Technologieforschung (Link verlässt diese Seite), den Master-Studiengang für Distributed-Ledger-Technologien und künstliche Intelligenz (Link verlässt diese Seite) in Barcelona sowie den offiziellen Master-Studiengang für Smart Cities (Link verlässt diese Seite) an der UdG.

De la Rosa ist Experte für intelligente Agenten, virtuelle Währungen, digitale Konservierung und die entsprechenden Anwendungen. Dank seiner unternehmerischen Herangehensweise hat er mehrere Spin-off-Firmen gegründet, angefangen mit der ersten Roboter-Fussball-Mannschaft der Welt im Jahr 1996 über die Bereiche Customer Intelligence im Jahr 2000 und virtuelle Währungen im Jahr 2010 bis hin zu mehreren Blockchain-Initiativen seit 2015.

De la Rosas Forschungsschwerpunkte umfasssen die Blockchain und Smart-Contract-Technologien zur Konzeption neuartiger Zahlungsmittel, die sich für das Internet eignen, sowie Scanverfahren für damit verbundene Anwendungen generell und insbesondere für die Bereiche IP, offene Innovation und digitale Langzeitarchivierung. Derzeit ist er als Berater an verschiedenen Blockchain-Projekten beteiligt, so beispielsweise an licens3d.com und welicense.io.

Exposé:

In seinem Vortrag beschäftigt sich Professor de la Rosa vornehmlich mit dem Konzept der Blockchain und ihrer Anwendung in Smart Contracts. Derzeit findet eine massive Verlagerung von Values in die Blockchain statt, und zugleich werden neue Identitäten geschaffen, um sich dieser Values, die es zu erhalten gilt, zu bedienen.

Es geht bei diesen Values demnach um ihren Gebrauch, und hierbei besonders um den regulierten Gebrauch digitaler Objekte. Damit ist die Werterhaltung ein erweitertes Anliegen der digitalen Langzeitarchivierung. Dies umfasst die Schritte Migration, Tokenisierung und Archivierung.

Mit Werterhaltung ist die Bewahrung der Unverfälschtheit, Echtheit und Verwendbarkeit der mit digitalen Objekten verbundenen Values auf lange Sicht und über zahlreiche Geschäftsvorgänge hinweg gemeint.

Für dieses Konzept gibt es wichtige Anwendungsmöglichkeiten im Bereich Open Data. Dazu ist eine sachgerechte Verwaltung durch die richtigen Akteure sowie eine Regulierung mithilfe von Smart Contracts oder Lizenzen in der Blockchain erforderlich. Professor de la Rosa wird seine Theorie mit Beispielen veranschaulichen.

Präsentation: Slideshare – ETH-Bibliothek

Referent:

Professor Sarah Kenderdine forscht an der Spitze interaktiver und immersiver Erfahrungen für Galerien, Bibliotheken, Archive und Museen. Ihre Installationen, die in zahlreichen Ausstellungen zu sehen waren, verknüpfen kulturelle Traditionen mit neuen Formen der Medienkunst, besonders im Bereich des interaktiven Kinos, der "Augmented Reality" und der verkürzten Erzählung. Sarah Kenderdine entwickelte 80 Ausstellungen und Installationen für Museen in aller Welt (darunter auch ein Museumskomplex in Indien) und bekam für ihre Arbeiten wichtige internationale Auszeichnungen. 2017 erhielt sie als Professorin für digitale Museologie einen Ruf an die École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), Schweiz, wo sie ein neues Labor für experimentelle Museologie (eM+) aufbaute, in dem das Zusammenspiel von ästhetischer Praxis, visueller Analyse und kulturellen Daten untersucht wird. Zugleich ist sie Direktorin und leitende Kuratorin des ArtLab, der neuen Kunst- und Wissenschaftsinitiative der EPFL.

Exposé:

In Archives in motion wird die «experimentelle Museologie» als kollaborative Forschungspraxis für kulturelle Sammlungen, ihre Verwalter und das Gemeinwesen beschrieben. Die Darstellung konzentriert sich auf transdisziplinäre Initiativen an der Schnittstelle von immersiven Visualisierungstechnologien, visueller Analytik, Ästhetik und kulturellen Daten oder Big Data-Beständen, um ein kulturelles Erbe aus wissenschaftlicher, künstlerischer und humanistischer Perspektive zu erforschen. Mithilfe einer Serie experimenteller Plattformen und Projekte werden in der Diskussion eine ganze Palette neuer Archive «entpackt», die im Wesentlichen durch ihre räumlich-zeitliche Komplexität gekennzeichnet sind. Aus dieser Komplexität ergeben sich für unterschiedliche Zielgruppen neue Möglichkeiten der Erfahrung und des Engagements, während zugleich die infrastrukturbezogenen Voraussetzungen in Frage gestellt und bereichsübergreifende Formen der Zusammenarbeit und des Zusammenwirkens gefördert werden.

Referent:

Günter Mühlberger ist Koordinator des E-Infrastruktur-H2020-Projekts READ (Recognition and Enrichment of Archival Documents). Zugleich leitet er das Forschungszentrum Digital Humanities an der Universität Innsbruck. G. Mühlberger arbeitet seit über 20 Jahren in den Bereichen Digitalisierung, digitale Archivierung, digitale Bibliothek und Digital Humanities. Er initiierte und leitete eine Vielzahl an nationalen und internationalen Forschungs- und Digitalisierungsprojekten. Zur Zeit koordiniert er die Transformation einer öffentlich finanzierten Forschungsinfrastruktur in ein Spin-Off-Unternehmen, damit die Forschungsinfrastruktur auch unabhängig von der öffentlichen Finanzierung bestehen bleiben kann.

Exposé:

War es bis vor wenigen Jahren unvorstellbar, dass historische Handschriften automatisiert texterkannt werden können, so haben maschinenlernende Verfahren nunmehr den Durchbruch gebracht. Ob mittelalterlicher Codices oder frühneuzeitliche Handschrift, ob Arabisch, Hebraeisch oder Bangla - mit einigen Dutzend Seiten können die zugrundeliegenden neuronalen Netze so trainiert werden, dass die Transkription für die weitere Verarbeitung brauchbar ist. Um die Technologie einem großen Kreis an Nutzerinnen und Nutzern verfügbar zu machen, wurde im Rahmen zweier EU Projekte die Froschungsplattform Transkribus entwickelt. Mit Transkribus erhalten Nutzerinnen und Nutzer ein Werkzeug, mit dem sie selbst alle Schritte im Workflow abdecken können. Mehr als 18.000 Benutzer haben sich in der Plattform bereits registriert und vielfach das Programm ausprobiert. Der Vortrag wird anhand konkreter Beispiele die Leistungsfähigkeit moderner Texterkennungsverfahren geben, sowie einen Ausblick auf die künftigen Entwicklungen bieten. Nähere Informationen:

Präsentation: Slideshare – ETH-Bibliothek (Link verlässt diese Seite)

Referent:

Ingo Barkow ist seit 2015 an der HTW Chur beschäftigt, zunächst als Dozent für Datenmanagement, seit 2017 als Professor und seit 2019 als Leiter des Schweizerischen Instituts für Informationswissenschaft. Die Erfahrungen zu Metadaten und Datenmanagement hat er sowohl in der Privatwirtschaft wie auch in der Forschung gewonnen: So leitete er mehrere Jahre als Geschäftsführer ein IT-Schulungsunternehmen im Raum Würzburg, für das er von Serveradministration über Datenanalyse bis zu Business Intelligence europaweit tätig und zuständig war. Weitere Erfahrungen insbesondere im Data Management hat er am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt als technischer Leiter für die softwaretechnische Umsetzung der gesamten Repositorien-Infrastruktur wie auch für die IT-Bereitstellung internationaler erziehungswissenschaftlicher Grossstudien wie PISA oder PIAAC gewonnen. Nach dem Abschluss des Studiums als Magister Artium in der Fachkombination Neuere Sozialgeschichte und Anglistik in Frankfurt hat er einen Abschluss als Diplom-Wirtschaftsinformatiker (FH) erlangt und anschliessend zu Metadatenmanagement für erziehungswissenschaftliche Large Scale Studien an der Universität Szeged (Ungarn) promoviert.

Exposé:

Herausforderungen im Datenmanagement von Metadaten. Datenmanagement wird für viele Organisationen in der Schweiz immer wichtiger. Dabei ist die Bedeutung von Metadaten im Rahmen von Prozessdefinitionen nicht zu unterschätzen. Ohne entsprechende Datendokumentation haben z.B. Forschungsdaten wenig Aussagekraft, die ihre Bedeutung nicht mehr nachvollziehbar ist. Oftmals zwingt dieses Dilemma Mitarbeiter von Forschungsdateneinrichtungen in den Bereich der Nachdokumentation. Dieser Vortrag zeigt die Verwendung von Data Life Cycle Modellen, nennt Beispiele für verschiedene Metadatenstandards und passend dazu der Verwendung von Toolchains zur Datendokumentation.

Präsentation: Slideshare – ETH-Bibliothek (Link verlässt diese Seite)

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2018

Referent:

André Roth ist Chief Digital Officer (CDO) der itnetX AG. Als Wirtschaftsinformatiker, Praktiker, Créateur und digitaler Nomade geht er mit offenen Augen durch das Privat- und Berufsleben und versucht "Open Minded" zu sein und zu bleiben. Als dreifacher Vater lebt er täglich im Spannungsfeld der Mobilitätsanforderungen der jungen Generation, was seine Denkweise massgeblich beeinflusst. André Roth berät in seiner Funktion als CDO Unternehmensführungen zu Themen der Digitalisierung, der Digitalen Transformation und dazu, wie neue digitale Business Modelle erstellt und Innovation im Unternehmen vorangetrieben werden können. Zudem doziert er "Design Thinking" an der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Exposé:

Die Digitalisierung und die Digitale Transformation sind von grosser Bedeutung und immer wiederkehrende «Buzzwords» zugleich. Deren Tragweite ist daher schwer fassbar; dennoch ist klar, dass die Auswirkungen auf Individuen, Gesellschaft und Unternehmen grosse Herausforderungen darstellen.

Der Referent geht auf die Fragen ein, WARUM wir der Digitalen Transformation überhaupt unsere Aufmerksamkeit schenken sollen, wie diese einzuordnen ist und was Disruption in diesem Zusammenhang bedeutet.

Der Referent wird Sie mit seinem querdenkerischen Ansatz auf eine unglaubliche und faszinierende Reise mitnehmen. Dazu sollten Sie bereit sein, über den Tellerrand hinauszuschauen und neue Kontinente zu entdecken.

Referentin:

Dr. Marjan Grootveld ist ausgebildete Computerlinguistin und Senior Policy Officer bei den Data Archiving and Networked Services (DANS (Link verlässt diese Seite)). DANS ist das niederländische Institut für den permanenten Zugang zu digitalen Forschungsressourcen. Hier berät sie Wissensinstitute und Forschungsförderer in Fragen der Datenmanagementpolitik und -praxis, bietet Unterstützung und Schulungen in EU-Projekten wie EUDAT (Link verlässt diese Seite) und OpenAIRE (Link verlässt diese Seite) und coacht die Teilnehmenden des Research Data Netherlands Essentials 4 Data Support Trainings.

Exposé:

Offenheit, Austausch, FAIR-Daten - Oh schöne neue Welt. Für einige Forschenden ist dies nicht mehr nur Vision, sondern bereits Alltag. Für viele andere sind jedoch Begriffe wie Open, FAIR Daten* oder Datenaustausch eine Herausforderung. Welchen Beitrag können wir leisten, damit neue Daten die FAIR Daten Prinzipien erfüllen und wie können wir die FAIRness bestehender Daten messen? "Vertrauen" ist ein wesentlicher Aspekt: Vertrauen, dass andere beispielsweise "Ihre" Daten richtig interpretieren, oder Vertrauen in Datenrepositorien.

Weitere Informationen:

Die Referentin wird virtuell über einen Telepresence Roboter ihr Referat halten und auch in dieser Form an Diskussion und Apéro teilnehmen. Die Vortragssprache wird Englisch sein.

*Die FAIR Daten Prinzipien (Link verlässt diese Seite) verfolgen das Ziel, dass Datensätze auffindbar («findable»), zugänglich («accessible»), kompatibel («interoperable») und wiederverwendbar («re-usable») sind.

Referenten:

Dr. Mela Kocher (Link verlässt diese Seite) unterrichtet an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). In ihrem Fachgebiet Game Design arbeitet sie im Bereich Forschung und Entwicklung mit den Schwerpunkten Applied Games, Gamification und Urban Games. Für das International Office der ZHdK entwickelte sie z.B. das Urban Game «LucyZH». In ihrer Dissertation hat sie sich mit Narrationskonzepten in Computerspielen auseinandergesetzt.

René Bauer (Link verlässt diese Seite) ist Leiter der Master-Vertiefung der Fachrichtung Game Design mit Schwerpunkt Motivationsdesign und Co-Direktor des GameLabs (Link verlässt diese Seite) an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Nebst dem Unterrichten ist er in nationalen und internationalen Projekten engagiert und fördert die Auseinandersetzung mit Games im Bereich Game Studies und Kulturwissenschaften. Als Game Designer und Applikationsentwickler betreibt René Bauer zudem eigene Spielprojekte, experimentiert mit AND-OR.CH an der Schnittstelle zwischen Game und Kunst und entwickelt kollaborative Schreibumgebungen wie nic-las, imachina oder ixistenz mit.

Exposé:

Gamification bedeutet die Übertragung spielbasierter Elemente auf ursprünglich spielfremde Kontexte. Damit soll die Motivation der Anwender verstärkt werden, um gestellte Aufgaben leichter lösen zu können. Gamification-Szenarien verwenden in der Regel nur einzelne Elemente von Spielsystemen. Davon grenzen sich Serious Games («angewandte Spiele») ab, die über ausgefeilte Spielmechaniken verfügen und die Spielenden umfassender zu engagieren vermögen.

Diese Entwicklungen sind nicht neu, aber das «Heilsversprechen» digitaler Spiele für seriöse oder angewandte Kontexte sind tief in die Gesellschaft diffundiert. Die beiden Referenten zeigen auf, welche theoretischen Grundlagen hinter diesen Spielphänomenen stecken, was bei der Entwicklung bedacht werden muss und wie mit diesen Grundlagen, über den Magic Circle der Games hinaus, auch kulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen erklärt werden können. Die Fragen werden anhand von konkreten Beispielen aus Projekten in der Therapie, Forschung und Entwicklungshilfe erörtert.

Referentin:

Dr. Eva-Christina Edinger hat an der Universität Konstanz im Feld der Raum- und Architektursoziologie promoviert. Ihr Promotionsprojekt umfasste vergleichende Fallstudien zu Bibliotheken in der Schweiz, Deutschland, Norwegen und Grossbritannien. Seit rund 10 Jahren ist sie als Referentin und Dozentin im Bereich Mittelbauförderung an der Universität Zürich und als Lehrbeauftragte an der Universität Konstanz sowie an der HTWG Konstanz in den Studiengängen Soziologie, Psychologie sowie Architektur tätig. Weitere Informationen auf Spaces of Knowledge (Link verlässt diese Seite)

Exposé:

Environment-Behaviour-Settings beschreiben Umweltsituationen basierend auf der Annahme, dass die gebaute Umwelt uns zu einem bestimmten Verhalten leitet. In der Bibliotheksraumgestaltung wird versucht, sich diese zu Nutze zu machen. Irritierend ist jedoch, wenn trotz sorgfältiger Planung die jeweiligen Räume nicht in der vorgesehenen Weise genutzt werden.

Gründe dafür können in der Widersprüchlichkeit der Environment-Behaviour-Settings gefunden werden: Für die NutzerInnen ist nicht eindeutig ersichtlich, welches Verhalten vorgesehen wäre. Sie wissen somit nicht, ob das, was sie tun möchten (oder gerade tun) gewünscht, erlaubt oder vielmehr verboten ist.

Basierend auf Daten einer siebenjährigen Feldstudie werden widersprüchliche Environment-Behaviour-Settings vorgestellt. Exemplarische Verhaltensdimensionen sind u.a. die Lautstärke (stilles vs. leises vs. lautes Lernen) sowie die Sozialform (individuelles vs. kollaboratives Lernen/Arbeiten).

Referent:

Dr. Noah Bubenhofer ist germanistischer Linguist und interessiert sich für Sprache als Indikator für gesellschaftliche und kulturelle Phänomene. Nach dem Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaften, der Germanistik und der Soziologie an den Universitäten Basel (Link verlässt diese Seite) und Freiburg im Breisgau (Link verlässt diese Seite) leitet er seit März 2015 das Projekt "Visual Linguistics (Link verlässt diese Seite)" am Institut für Computerlinguistik der Universität Zürich (Link verlässt diese Seite). Zudem ist er Mitbegründer von "semtracks" (Link verlässt diese Seite), dem Laboratory for Computer Based Meaning Research.

Exposé:

Bibliotheken standen als Archive von Text schon immer im Zentrum philologischer Lektüren. Mit der Digitalisierung suchen sie heute neue Rollen im Spannungsfeld von traditioneller philologischer Textanalyse und modernem Text-Mining.
Dass digitale Daten und intelligente Algorithmen neue Perspektiven auf Text ermöglichen, ist weitläufig bekannt.

Methoden der Visual Analytics ermöglichen es hierbei, Muster sichtbar und Big Data überhaupt erst analysierbar zu machen. Aus der Reflexion über die Rolle von Visualisierungen in der Linguistik im Rahmen des Projekts "Visual Linguistics" lassen sich Ideen dazu ableiten, welche Rollen Bibliotheken in Zukunft einnehmen könnten. Diese Überlegungen werden vom Referenten mit seinem Vortrag zur Diskussion gestellt.

Referent:

Andreas von Gunten ist in diversen Funktionen des wirtschaftlichen und politischen Lebens aktiv. Aus der Informatik- und Medienbranche kommend gilt sein Augenmerk heute der Digitalisierung und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft. Er ist Mitglied der Digitalen Gesellschaft, der Digitalen Allmend sowie der Kerngruppe Task Force Urheberrechtsgesetz. Andreas von Gunten (Link verlässt diese Seite) ist zudem Autor der Publikation "Intellectual Property is Common Property".

Exposé:

Andreas von Gunten stellt in seinem Referat das bestehende Urheberrechtssystem grundsätzlich in Frage.

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass das Urheberrecht weltweit kontinuierlich verschärft wird. Gegner dieser Entwicklung geben sich häufig bereits damit zufrieden, nur eine Abschwächung der Verschärfung erwirken zu können.

Der Referent geht hier wesentlich weiter und stellt fest, dass das bestehende Urheberrechtsregime nicht in der Natur begründet ist, sondern vielmehr ein Ergebnis konstanter Lobbyarbeit einer relativ kleinen Gruppe von Akteuren. So geht er in seinem Referat beispielsweise den Fragen nach, wie plausibel die Begründungen für ein Urheberrecht sind, wie eine Welt ohne Urheberrechte aussehen könnte und stellt seine Thesen zur Diskussion.

Slideshare – ETH-Bibliothek (Link verlässt diese Seite)

Unternavigation und ergänzende Informationen

Ergänzende Informationen 17:15 Kolloquium der ETH-Bibliothek

Veranstaltungsort

ETH Zürich
Gebäude LEE (Link verlässt diese Seite)
Leonhardstrasse 21
8092 Zürich

Raum: E 101 (Link verlässt diese Seite)

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